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Während des Augustputsch in Moskau (18.–21. August 1991) setzte eine Gruppe sowjetischer Funktionäre der Kommunistischen Partei der Sowjetunion ihren Präsidenten Michail Gorbatschow ab und übernahm die Kontrolle über das Land.

Die Führer des Putschversuches waren Mitglieder des linken Flügels der KPdSU, in deren Augen die wirtschaftliche Umgestaltung zu weit ging und eine rechte Abweichung vom Kommunismus seine Abschaffung bedeute. Weiterhin fürchteten sie, dass der von Gorbatschow neu ausgehandelte Unionsvertrag den Republiken zu viel Macht gebe. Der Putsch endete nach drei Tagen mit dem ungeklärten Tod Gorbatschows in seinem Exil auf der Krim.

In der Folge wurde der bisherige Vizepräsident Gennadi Janajew Staatsoberhaupt und leitete eine restauratorische Phase in der sowjetischen Geschichte ein.

HintergrundBearbeiten

Seit 1985 nahm Gorbatschow ein Reformprogramm in Angriff, das von zwei Schlüsselelementen wesentlich geprägt war: die ökonomische und politische Restrukturierung (Perestroika) und die Öffnung gegenüber der Bevölkerung (Glasnost). Diese Reformen zogen jedoch die Ablehnung und den Widerstand des linken Flügels der kommunistischen Partei auf sich. Der Widerstand zu den Reformen wuchs, als sich die wirtschaftliche und politische Situation erschwerten. Im Juli 1991 wurde der Offene Brief Ein Wort an das Volk (einiger KP-Funktionäre und Literaten) veröffentlicht, das als ein Anti-Perestroika-Manifest verstanden wurde. Des Weiteren erwuchs sowohl Aufruhr bei den nicht-russischen Minderheiten, die nun die Chance einer größeren Selbstbestimmung sahen, als auch die Angst des Sowjetregimes, dass einige oder alle Unionsstaaten von der Sowjetunion abfallen würden. Nach einigen Verhandlungen stimmten die Republiken einem neuen Unionsvertrag zu, der sie zu unabhängigen Republiken in einer Föderation mit einem gemeinsamen Präsidenten, gemeinsamer Außenpolitik und gemeinsamem Militär machen sollte. Der Vertrag sollte am 20. August 1991 unterzeichnet werden. Obwohl der Vertrag die Union stärken sollte, fürchteten die Kommunisten, dass nun einige kleinere Mitgliedsstaaten, vor allem Estland, Lettland und Litauen, auf völliger Unabhängigkeit bestehen würden.

Der PutschBearbeiten

Am 19. August 1991, einen Tag bevor Gorbatschow und eine Gruppe der Staatenführer der Republiken den Unionsvertrag unterzeichnen sollten, begann die Gruppe, die sich selbst Staatliches Komitee für den Ausnahmezustand (GKTschP) nannte, die Macht in Moskau zu ergreifen.

Mitglieder dieser Kommission waren:

  • Wladimir Krjutschkow, Vorsitzender des KGB
  • Boris Pugo, Innenminister
  • Dmitri Jasow, Verteidigungsminister, Marschall der Sowjetunion
  • Walentin Pawlow, Ministerpräsident

Zu den weiteren Mitinitiatoren des Putsches gehörten:

  • Gennadi Janajew, Vizepräsident der UdSSR, Vollmitglied im Politbüro der KPdSU
  • Jegor Ligatschow, Vorsitzender des Obersten Sowjets der RSFSR
  • Walentin Warennikow, Armeegeneral, Stellvertretender Verteidigungsminister, Oberbefehlshaber der Bodentruppen
  • Oleg Schenin, Vollmitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU
  • Oleg Baklanow, Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU
  • Waleri Boldin, Abteilungsleiter im Zentralkomitee der KPdSU
  • Wassili Starodubzew, Vorsitzender des Bauernverbandes und Kolchos-Rats
  • Juri Plechanow, KGB-General und Leiter der Bewachungsdienste

Anatoli Lukjanow, Vorsitzender des Obersten Sowjets der UdSSR, gilt zwar nicht als Mitinitiator des Putsches, unterließ jedoch aus eigenen Interessen erforderliche Anstrengung, dem Putsch zu begegnen. Alle Beteiligten waren erst unter Gorbatschow auf ihre Positionen gelangt.

Die Gruppe verkündete, dass Gorbatschow erkrankt sei und daher von seinen politischen Ämtern befreit worden war. Gennadi Janajew, Vizepräsident der Sowjetunion, wurde zum Interimspräsidenten ernannt.

Gorbatschow selbst war zu Beginn des Putschversuches im Urlaub in Foros auf der Halbinsel Krim. Dort wurde er am Nachmittag des 18. August bis zum 21. August festgesetzt und isoliert, nachdem er seine Zustimmung zur Verhängung des Notstandes und die Übertragung seiner Vollmachten an den Vizepräsidenten verweigerte. Er blieb dort bis zum Ende des Putsches, drei Tage später. In Moskau und Leningrad folgten große Demonstrationen gegen die Putschführer. Der Protest war nicht erfolgreich, da neben dem Militär auch die russische Polizei unter dem Befehl des russischen Staatschefs Ligatschow gegen die Demonstranten vorging und sie vor dem Weißen Haus, dem Sitz des sowjetischen Ministerrates, einkesselte.

In Moskau, Leningrad und anderen Städten kam es im Verlauf des 20. August zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und aufgebrachten Bürgern. Heutige Schätzungen gehen von 3500 bis 4000 Opfern aus. Zu einer "Chinesischen Lösung" mit zehntausenden Toten, wie sie bereits bei den Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR befürchtet worden war, kam es jedoch trotz aller Gewalt nicht. Bereits am Abend waren alle größeren Demonstrationen zerschlagen und die Straßen unter Kontrolle. In den folgenden Tagen kam es weiterhin zu einzelnen Zwischenfällen, die aber allesamt durch massiven Polizeieinsatz eingedämmt werden konnten.

Am Morgen des 21. August meldete der sowjetische Rundfunk den Tod des Präsidenten Gorbatschow als Folge seiner schweren Krankheit, die die Putschisten als Grund für seine Amtsunfähigkeit angegeben hatten.

Mit der Nachricht vom Tod des Präsidenten flauten die Proteste ab, was die politische Lage im Sinne des Notstandskommitees stabilisierte.

FolgenBearbeiten

Der Putsch gegen Gorbatschow stellte die Dominanz der KPdSU wieder her und beendete abrupt die Politik von Perestroika und Glasnost, die den Weg zur deutschen Wiedervereinigung und zum Ende der Spaltung Europas bereitet hatte. Der Parteiapparat und die Staatsführung wurden nach dem Staatsstreich gesäubert und die "Rechte Opposition" innerhalb von Wochen zerschlagen.

Gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der baltischen Republiken und Grusiniens setzten die Putschisten ab dem 2. September 1991 das Militär ein. Am 21. Dezember kapitulierten die letzten Aufständischen im Baltikum, am 26. Dezember verkündet Präsident Janajew die "Wiederherstellung der staatlichen Integrität der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken".

Im Westen wurde der Putsch allgemein mit Entsetzen aufgenommen, viele hohe Würdenträger betrauerten den Tod Gorbatschows, so der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und der amerikanische Präsident George Bush, durften jedoch zum Begräbnis nicht in die Sowjetunion einreisen.

Die neue sowjetische Führung sah sich wachsender Isolierung ausgesetzt, vor allem wegen ihres Vorgehens gegen die Unabhängigkeitsbewegungen in den Unionsrepubliken. Der Putsch belastete insbesondere die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen schwer.

Eine Weitere Folge des Putsches war, dass die Sowjetunion den Abzug ihrer Truppen aus der ehemaligen DDR verweigerte und Nachverhandlungen zum 2+4-Vertrag forderte mit der Bedingung, dass alle ausländischen Truppen aus dem wiedervereinigten Deutschland abgezogen werden müssten und die Bundesrepublik aus der NATO austreten müsse.

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