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Deutschlands Rückkehr

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Deutschlands Rückkehr
Grund der Abweichung: Deutschland rüstet bereits früher auf
Punkt der Abweichung: 1930
Zeitspanne: 1930 - Gegenwart

Kurzinformation über Zeitlienie:

Nach dem Ende des deutschen Bürgerkrieges 1930 wird die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Ab 1931 rüstet der deutsche Staat auf um sich gegen die Siegermächte des Ersten Weltkrieges zu emanzipieren. Es kommt zu einem durch Polen verursachten Konflikt. Deutschland rüstet zum Polenfeldzug der letztendlich zu einem Krieg mit Vereinigten Königreich von Großbritannien führt.

Gründung der Bundesrepublik DeutschlandBearbeiten

In der letzten Märzwoche 1930 bricht in Deutschland der Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und den Nationalisten aus. Die Reichswehr stellt sich jedoch hinter die demokratische Reichsregierung unter Präsident Hindenburg und kann die Ordnung in der zweiten Aprilwoche wieder herstellen. Die Lager der Kommunisten und Nationalisten hatten sich in den  kurzen aber heftigen Kämpfen gegenseitig nahezu ausgelöscht; die Überlebenden gingen als Exilanten entweder nach Spanien und Italien oder in die Sowjetunion. Diese Situation ermöglichte es Präsident Paul von Hindenburg die demokratischen Kräfte zu vereinen und umfangreiche politische Reformen umzusetzen. Am 3. Oktober 1930 wurde die Bundesrepublik Deutschland ausgerufen; die Farben der Flagge waren nun

Schwarz-Rot-Gold. Der neuen Regierung unter Präsident Hindenburg gelang es die Auflagen des Versailler Vertrages gegenüber den ehemaligen Kriegsgegnern zu revidieren, nach dem Ersten Weltkrieg verlorene Gebiete zurückzugewinnen und die deutsche Wirtschaft neu zu beleben.
Reichswehr.jpg

Soldaten der neuen Bundeswehr

Am 1. Januar 1931 wurde die Reichswehr in Bundeswehr umbenannt und eine umfangreiche Wiederaufrüstung eingeleitet. Ende der 30er-Jahre ist Deutschland wieder eine starke Wirtschaftsnation und verfügt über die wahrscheinlich modernsten

Streitkräfte Europas. 1936 trat die Republik Österreich der Bundesrepublik bei und 1938 folgte die Tschechoslowakei. Danach gibt es eine kleine Namensänderung in Bundesrepubliken von Deutschland. Dieser Schritt, zuerst stark kritisiert, erwies sich als vorausschauend. Die neue Stärke Deutschlands führte jedoch auch zu Neid und Missgunst. Winston Churchill hasste die Deutschen und war nicht gewillt, den neuen Wohlstand und die Stärke der deutschen hinzunehmen. So hatte er bereits im geheimen 1934 von der strategischen Leitung der britischen Royal Air Force erste Pläne zur strategischen Bombardierung der Bundesrepubliken angefordert. Am 10. März 1939 folgte die nächste Stufe in Churchills Plänen: er gründete eine Allparteienregierung unter Einschluss der Labour Party und vertrieb Neville Chamberlain aus seinem Amt als Premierminister.

2. Weltkrieg Bearbeiten

PolenfeldzugBearbeiten

Nach den Wahlen von 1930 bemühte sich die neue Regierung, die Ungerechtigkeiten des Vertrags von Versailles zu beseitigen. Ab 1931 wurde verstärkt mit dem Aufbau der Wehrmacht, der Luftwaffe und der Kriegsmarine begonnen. In zahlreichen Verträgen zwischen Frankreich, England und den anderen europäischen Staaten wurde die zu erreichende Truppen- und Ausrüstungsstärke festgelegt. Bis 1938 wurden große Fortschritte gemacht und die drei Teilstreitkräfte der deutschen Armee übten mit ihrer neuen Ausrüstung und neuen Taktiken. Zwischen März 1938 und dem 1. September 1939 kam es jedoch zu schweren Spannungen zwischen Polen und Deutschland. Die souveräne Zweite Polnische Republik wurde am 11. November 1918 neu gegründet. Sie gehörte für die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zum osteuropäischen Cordon Sanitaire, der Westeuropa vor der Sowjetunion schützen und auch mögliche neue Großmachtsambitionen Deutschlands eindämmen sollte. Der Versailler Vertrag schlug Westpreußen mitsamt des multiethnischen Territoriums des Korridors Polen zu und trennte damit Ostpreußen vom übrigen Reichsgebiet. Danzig wurde als Freie Stadt mit einem polnischen Freihafen aus Deutschland ausgegliedert und unter die Kontrolle des Völkerbunds gestellt. Für die ethnischen Minderheiten in Polen – vor allem Ukrainer, Juden, Weißrussen und Deutsche – waren Sonderrechte vorgesehen. Mit den im Versailler Vertrag festgelegten Grenzen war weder die polnische noch die deutsche Seite einverstanden. Polen erweiterte sein Staatsgebiet nach Osten über die in den Pariser Friedensverhandlungen vorgeschlagene Grenze (Curzon-Linie) hinaus zu Lasten Litauens und Sowjetrusslands im Polnisch-Sowjetischen Krieg. Der genaue Grenzverlauf zwischen Deutschland und Polen wurde erst nach bürgerkriegsartigen Aufständen in Oberschlesien im Juli 1921 festgelegt und blieb weiterhin ständiger Streitpunkt. Alle Regierungen der Weimarer Republik strebten im Sinne großer Bevölkerungsteile eine Revision der Ostgrenzen an, um die 1919 verlorenen Gebiete zurückzugewinnen (Vertragsrevisionismus). So garantierte der Vertrag von Locarno 1925 zwar die neue deutsche Westgrenze, doch eine ähnliche Regelung für die Ostgrenzen lehnte Gustav Stresemann ab. Stattdessen leitete die Reichsregierung einen ergebnislosen Zollkrieg gegen die polnische Wirtschaft ein. Gleichzeitig näherte sie sich 1922 mit dem Vertrag von Rapallo und dem Berliner Vertrag 1926 politisch der UdSSR an, mit der sie auch militärisch zusammenarbeitete, um Versailler Beschränkungen zu umgehen. Die polnische Regierung hatte eine ebenso unnachgiebige Haltung in den Grenzfragen und versuchte, Polen zu einer Führungsmacht in Ostmitteleuropa zu machen, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Unter Józef Piłsudski, dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, der seit 1918 der eigentliche Machthaber war, schloss das Land am 25. Juli 1932 schließlich einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, um zunächst die 1921 erfolgte Grenzziehung abzusichern. Zwischen März 1938 und August 1939 kam es jedoch in Polen zu zahlreichen Übergriffen auf deutsche Zivilisten, die den polnischen Korridor nach Königsberg passierten. 271 Deutsche wurden durch Überfälle und Übergriffe getötet, darunter befanden sich auch 38 Angehörige der Wehrmacht. Die deutsche Regierung legte harschen Protest bei den Polen ein, was jedoch ohne Wirkung blieb. Heute weiß man, dass Winston Churchill und auch Frankreich den Polen im Falle eines Krieges mit Deutschland Unterstützung zugesagt hatten. Frankreich hatte der polnischen Regierung im Mai 1939 vertraglich zugesichert, spätestens fünfzehn Tage nach Kriegsbeginn mit dem Großteil seiner Divisionen Deutschland anzugreifen und ihm so einen Zweifrontenkrieg aufzuzwingen. Zudem lieferten Großbritannien und Frankreich als Vorbereitung für den geplanten Angriff moderne Kampfflugzeuge: aus England kamen rund hundert Jagdflugzeuge Boulton Paul Defiant und sechzig leichte Bomber Fairy Battle; aus Frankreich achtzig Jäger Morane-Saulnier MS.406. Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt versprach Polen insgeheim mit der geballten Macht der USA in den Konflikt einzugreifen - selbst wenn die Polen den Krieg beginnen würden - , und lieferte rund hundert Jagdflugzeuge Curtiss P-36 Hawk. Mit diesen Versprechungen im Hinterkopf, startete Piłsudski seine Aktionen gegen Deutschland. Am 17. August 1939 kam es zu einem Angriff der polnischen Armee auf einen deutschen Zug im Korridor, welcher weitere 91 Tote Zivilisten und 23 Tote Wehrmachtsangehörige zur Folge hatte. Mehr als 200 Personen wurden verletzt. Berlin verlangte von Polen die Auslieferung der Schuldigen, was jedoch strikt abgelehnt wurde. Nach dem Scheitern der Verhandlungen bat die deutsche Regierung Warschau nochmals um Verhandlungen mit Berlin. Doch wegen der westlichen Garantieerklärungen und dem hohen Vertrauen in die eigenen Streitkräfte sah die polnische Führung keinen Grund mehr für weitere diplomatische Bemühungen. Berlin hatte seine Forderungen inzwischen gesteigert und mit einem Ultimatum verbunden. Daraufhin leitete die polnische Regierung am 25. August die Generalmobilmachung der polnischen Streitkräfte ein. Am 28. August beschoss polnische Artillerie die oberschlesische Grenzstadt Beuthen und Infanterieverbände rückten auf deutsches Gebiet vor. Einen detailliert ausgearbeiteten Plan für einen Krieg mit Polen hatte der deutsche Generalstab nicht. Den Fall Weiß, seinen Operations- und Aufmarschplan für diesen Fall, musste er in den Jahren 1938/39 immer wieder entsprechend der sich verändernden strategisch-politischen Lage erneuern, was bis zum Kriegsausbruch in Fluss blieb. Deutschland erklärte daraufhin Polen am 30. August den Krieg, nachdem ein weiteres

Ultimatum an Warschau ohne Beachtung blieb. Die polnischen Verbände auf deutschen Boden wurde rasch niedergerungen und bereits am 1. September 1939 erfolgte der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen.
Polen1939.jpg

Deutsche Bundeswehr, Polen Sepzember 1939

Der Angriff der Heeresgruppe Nord kam in den ersten Tagen zumindest im

Bereich der 4. Armee unter General der Artillerie Günther von Kluge planmäßig voran. Im Korridor wurden Teile der polnischen Armee Pomerellen während der Schlacht in der Tucheler Heide bei Graudenz eingeschlossen und zerschlagen. Nur zwei ihrer Divisionen entkamen der Niederlage und schlossen sich der Armee Posen an. Die Armeen der Heeresgruppe Süd drängten unterdessen die polnischen Verbände in Richtung Warschau zurück. Allerdings gelang es ihnen nicht, die polnischen Truppen aufzureiben oder zu umfassen. Erst am 6. September gelang der 10. Armee ein tiefer Einbruch in die polnische Abwehrfront. Am gleichen Tag besetzte die 14. Armee Krakau. Vom Kriegsbeginn an besaß die deutsche Luftwaffe fast völlige Luftüberlegenheit. Auch die von Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten gelieferten Flugzeuge waren keine Gegner für die modern ausgerüstete und gut ausgebildete deutsche Luftwaffe. Am 9. September gelang es dem rechten Flügel der 10. Armee starke polnische Kräfte zu überholen und einzukesseln, die sich über die Weichsel zurückzuziehen versuchten. Daraus entwickelte sich die Schlacht bei Radom. Zeitgleich griff die polnische Armee Posen, die unbemerkt von der deutschen Aufklärung herangerückt war, nördlich von Kutno überraschend den linken Flügel der 8. deutschen Armee an (siehe: Schlacht an der Bzura). Dieser einzige polnische Gegenstoß zwang die Heeresgruppe Süd, bei Radom, vor Warschau und an der Bzura gleichzeitig zu kämpfen. Sie wehrte den Flankenangriff unter schweren Verlusten ab. Die Heeresgruppe Nord stand schon östlich der Weichsel am Narew und am Bug und musste nun gemäß dem Umfassungsbefehl des OKH große Teile der 4. Armee durch Ostpreußen an ihren linken Flügel verlegen, was einige Tage dauerte. Danach schloss sie am 9. September die Festung Modlin und Warschau von Norden her ein. Am 12. September kapitulierten die polnischen Truppen im Kessel bei Radom (60.000 Gefangene). Am 13. September wurde die Kleinstadt Frampol nahe Lublin durch einen deutschen Luftangriff vollständig zerstört. Danach befahl die polnische Armeeführung allen verbliebenen Truppen, sich eigenständig nach Südosten zurückzuziehen. Man hoffte, sich dort in unwegsamem Gelände noch länger halten zu können, bis Nachschub der Westalliierten über Rumänien geliefert würde. Im Südosten kämpfte bisher nur die deutsche 14. Armee. Diese schwenkte nun aber nach Nordosten, um sich hinter dem Fluss Bug mit der Heeresgruppe Nord zu vereinen. Mit den freigewordenen Verbänden konnte die Heeresgruppe Süd nun auch die Armee Posen einschließen und bis zum 17. September aufreiben (170.000 Gefangene). Das zerschlug die polnische Hoffnung, wenigstens den Südosten des Landes verteidigen zu können. Bei Wizna durchstieß das deutsche XIX. Armeekorps (Teil der Heeresgruppe Nord) unter dem Kommando des Generals der Panzertruppe Heinz Guderian die polnische Verteidigungslinie am Fluss Narew (Schlacht bei Wizna) und rückte östlich des Bug mit starken Panzerkräften nach Süden vor, hierbei kam es bei Brest-Litowsk zu schweren Kämpfen (Schlacht um die Festung Brest-Litowsk). Am 18. September vereinigten sich diese Truppen südlich von Brest-Litowsk mit den Truppen der 14. Armee. Damit war die Masse der polnischen Kräfte umfasst worden. Der Feldzug endete am 6. Oktober mit der Kapitulation der letzten polnischen Feldtruppen und der Besetzung des ganzen Landes durch die Wehrmacht. Die ins Exil nach London geflohene polnische Regierung weigerte sich jedoch (auf Chuchills anraten) zu kapitulieren. Am 3. September 1939 erklärten Frankreich und Großbritannien, ihrer Beistandsverträge mit Polen nachkommend, Deutschland den Krieg, während die USA nicht einmal protestierten. Sie eröffneten aber nur minimale militärische Aktivitäten, die Polen keine reale Entlastung brachten und letztlich durch den raschen deutschen Vormarsch vergeblich waren.

Erste SeegefechteBearbeiten

Die erste Fahrt der Admiral Graf Spee begann noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, denn das Schiff verließ Deutschland am 21. August 1939, um sich im Südatlantik in Warteposition zu begeben. Offiziell begann die Kaperfahrt am 6. September; an diesem Tag erhielt Kapitän Hans Willhelm Langsdorff den Befehl, alliierte Handelsschiffe anzugreifen. Sie endete mit dem Einlaufen in Kiel am 19. Januar 1940. In der Zeit vom 13. September bis zum 7. Dezember konnte das Schiff im Atlantik und im Indischen Ozean insgesamt siebzehn britische Handelsschiffe mit zusammen 67.890 Bruttoregistertonnen versenken. Todesopfer gab es dabei keine. Bevor Langsdorff die aufgebrachten Schiffe versenkte, ließ er gemäß Prisenordnung den Besatzungen ausreichend Zeit, ihre Schiffe zu verlassen. Die Schiffbrüchigen sollten als Kriegsgefangene nach Deutschland gebracht werden. Dazu wurden 363 britische Seeleute an das Trossschiff Altmark übergeben, während die Offiziere auf der Graf Spee verblieben. Am 6. Dezember bunkerte die Graf Spee zum neunten und letzten Mal bei der Altmark Treibstoff. Die Deutschen besaßen bisher zwei einsatzbereite Kriegsschiffe dieses neuen Typs: die Admiral Graf Spee und die Admiral Scheer. Das dritte Schiff, die Admiral Hipper, bereitete sich auf ihre Erprobungsfahrt in der Ostsee vor und die vierte Einheit, die Admiral Brommy, wurde gerade ausgerüstet. Diese in Deutschland als Panzerschiffe bezeichnete Klasse (andere Länder stuften sie als Schlachtkreuzer ein) war eine gelungene Mischung aus großer Schnelligkeit und Wendigkeit, einer starken Panzerung und schweren Bewaffnung. Mit ihren neun 28cm-Geschützen in drei Türmen und ihren sechs10,5cm-Zwillingsgeschützen konnten sie alle dreißig Sekunden mehr als drei Tonnen Granaten abfeuern. Zudem war eine starke Bestückung mit Flugabwehrgeschützen vorhanden: zwölf 4cm-Vierlings-Boforskanonen und vierundzwanzig 2cm-Zwillinge. Dazu kamen noch acht Torpedorohre in zwei Bündeln und zwei leichte Wasserflugzeuge Arado Ar-196. Vor dem Rückmarsch in die Heimat wollte Langsdorff noch einmal an der Ostküste Südamerikas patrouillieren. Er vermutete, dass man dort noch mehr britische Schiffe versenken könne. Nach der letzten Ölergänzung beim Trossschiff Altmark nahm das Panzerschiff Kurs dorthin. Am 13. Dezember 1939 traf die Graf Spee vor der Mündung des Río de la Plata auf einen gegnerischen Schiffsverband, bestehend aus dem britischen schweren Kreuzer HMS Exeter, Flaggschiff des Kommodore Sir Henry Harwood, sowie dem britischen leichten Kreuzer HMS Ajax und dem neuseeländischen leichten Kreuzer HMNZS Achilles. Niemand in der kleinen britischen Flottille wuste, mit welchem deutschen Schiff man es zu tun hatte. Fest stand nur, dass es die argentinischen Fleisch- und Getreidelieferungen nach England schwer bedrohte; und wenn es nicht bald außer Gefecht gesetzt wurde, mussten größere Kriegsschiffe zum Schutz dieser Versorgungslinien eingesetzt werden. Das aber hätte die englische Seestreitmacht, die zur Abwehr einer befürchtete deutschen Invasion bereitliegen musste, empfindlich geschwächt.  Erstaunlicherweise konnte Harwood Tag und Ort des Zusammentreffens mit dem Gegner genau vorraussagen: den 13. Dezember und das Mündungsgebiet des Rio de la Plata. Er war zu diesem Ergebnis gekommen, nachdem er die Taktik des Panzerschiffs untersucht und aus Berichten der Angegriffenen seine Geschwindigkeit geschlossen hatte. Genau genommen waren Harwoods Einheiten viel zu klein und zu leicht bewaffnet. Unter normalen Seekriegsbedingungen hätten sie die Aufgabe gehabt, einen solchen Gegner nur ausfindig zu machen und dann sofort schwere Kriegsschiffe zu Hilfe zu rufen. Tatsächlich lagen drei weitere schwere Kreuzer in Bereitschaft, um ihnen zur Hilfe zu eilen, sobald sie Kontakt mit dem Deutschen hergestellt hatten. Dennoch lautete ihr Befehl, sofort anzugreifen - sei es bei Tag oder Nacht. Am Morgen dieses 13. Dezembers deutete noch nichts daraufhin, dass der kleinen britischen Flottille die erste größere Seeschlacht des Zweiten Weltkrieges bevorstand. Und tatsächlich - im Dunstschleier am Horizont sah man die Mastspitzen eines Kriegsschiffes. Es war, wie sich bald herausstellte, die Graf Spee. Auf den britischen Schiffen ertönten Hornsignale; barfüßige, halb angezogene Leute kamen in Bewegung, und bald darauf waren die drei Kreuzer gefechtsbereit. Der Abstand zwischen den Gegnern verringerte sich rasch. Langsdorff wich dem Gefecht nicht aus, obwohl ein Entkommen durchaus im Bereich des Möglichen lag, da die mit Dampfturbinen ausgerüsteten alliierten Kriegsschiffe wesentlich langsamer Gefechtsgeschwindigkeit entwickeln konnten als die Admiral Graf Spee mit ihren Dieselmotoren. Indem er sein Schiff außer Reichweite der gegnerischen Artillerie hielt, konnte Langsdorff den Gegner mit seinen überlegenen 28cm-Geschützen unter Feuer nehmen, während die Briten mit ihren Geschossen nicht an das deutsche Schiff heran kamen. Im Laufe der Seeschlacht wurde die Exeter schwer beschädigt. Drei 28cm-Geschosse trafen den schweren Kreuzer am Bug, wodurch die beiden vorderen 20,3cm-Geschütztürme ausfielen. Der Kommandant der Exeter war Kapitän Frederick Bell; in der englischen Marine hatte er wegen seiner enormen Hakennase den Spitznamen `Hookie´ Bell. Seit seinem dreizehnten Lebensjahr gehörte er der Royal Navy an und in seinen dreißig Jahren aus See ein abenteuerliches Leben geführt. Nun schleuderte es `Hookie´ Bell gegen das Kompasshaus. Ein Schauer scharfkantiger Splitter fegte über die Brücke, und einige davon drangen dem Kapitän in beide Augen. Durch einen Schleier von Blut sah er, dass von den zwanzig Männern auf der offenen Brücke außer ihm selbst nur noch zwei am Leben waren. Alle Einrichtungen waren zerschlagen, die Verbindungen zum Maschinenraum unterbrochen. Das Ruder war unklar und auch der Mutterkompass, der das Schiff auf seinem Kurs hielt, war zerstört. Die Exeter war außer Kontrolle, aber die Maschinen liefen mit voller Kraft weiter. Benommen kletterte Bell über die Trümmer zum zweiten Befehlsstand. Fünf Decks tiefer bediente jetzt ein Matrose die Notruderanlage, und alle Befehle an diesen Rudergänger mussten nun über eine Kette von Matrosen weitergegeben werden. Damit war die Exeter nicht mehr in der Lage, auf die Manöver der Graf Spee rasch zu reagieren. An Bord gab es 67 Tote und 31 Verwundete. Das Schiff brannte an vielen Stellen; verzweifelt kämpften die Löschtrupps, um zu verhindern, dass die Munition explodierte. Ein weiterer Treffer des deutschen Panzerschiffs setzte schließlich auch den letzten Geschütztum der Exeter außer Gefecht. Von der Graf Spee war inzwischen eine Ar-196 aufgestiegen und umkreiste den britischen Verband. Die Piloten betrachteten die mit Schlagseite daliegende Exeter und berichteten, sie hätten noch nie erlebt, dass ein Schiff sich in solchem Zustand noch über Wasser halten könne. Nachdem die Exeter kampfunfähig geschossen worden war, nahm die Graf Spee die HMS Ajax unter Beschuss. Der leichte Kreuzer wurde bereits mit der zweiten und dritten Salve getroffen; insgesamt erhielt die Ajax fünf Treffer durch 28cm-Granaten. Die dritte Salve erwies sich als fatal. Die Granate schlug in die im Heck gelegenen Munitionskammern für die 15,2cm-Geschütze und brachte die dort gelagerten Munitionsvorräte zur Explosion, welche das gesamte Heck abriss. Der Kommandant der Ajax hatte keine andere Wahl, als den Befehl zum Verlassen des Schiffes zu geben. Von den 680 Mann Besatzung kamen 136 ums Leben, über 200 wurden verwundet. Die HMNZS Achilles setzte den Kampf zunächst allein fort, erhielt jedoch schon wenige Minuten später einen 28cm-Treffer, der die beiden achternen 15,2cm-Türme außer Gefecht setzte. Es gab 17 Tote und 24 Verwundete. Das deutsche Panzerschiff hatte in der kaum 40 Minuten dauernden Schlacht nicht einmal einen Treffer erhalten. Langsdorff brach das Gefecht ab und lief auf die britischen Schiffe zu, wobei er seine Absicht bekundete, bei der Bergung der Überlebenden der Ajax zu helfen. Kommodore Sir Henry Harwood, dessen eigenes Schiff sich nur gerade so über Wasser halten ließ, gab seine Zustimmung. Während die Besatzungen der Graf Spee und der Achilles die Überlebenden aus dem Wasser fischten, folgte Harwood der Einladung Langsdorffs, an Bord seines Schiffes zu kommen. Langsdorff erklärte dem britischen Kommodore, dass er keine Möglichkeit habe, alle Männer der Ajax auf der langen Fahrt nach Deutschland angemessen zu verpflegen und machte das Angebot, Montevideo anzulaufen, wo er die britischen Seeleute an Land setzen würde. Wegen der Neutralität Uruguays konnten dort alle drei Schiffe einlaufen und die Briten würden zwei Wochen ankern können, ohne etwas befürchten zu müssen. Die Offiziere der Ajax würden jedoch als Kriegsgefangene nach Deutschland gebracht werden. Harwood sah ein, das er keine andere Wahl hatte und gab wiederwillig seine Zustimmung. Am gleichen Abend entfernte der Schiffsarzt des deutschen Schlachtkreuzers, der zur Versorgung der Verwundeten auf die schwer beschädigte Exeter übergewechselt hatte, die Stahlsplitter aus `Hookie´ Bells Augen. Dannach bedankte sich der britische Kapitän und kehrte auf die Brücke zurück. Am 14. Dezember lief der seltsame Verband am Río de la Plata in Montevideo ein, wo die britischen Seeleute, jedoch ohne ihre Offiziere, von Bord der Graf Spee gingen. Langsdorff und seine Besatzung wurden nach diesem Seegefecht in Uruguay von jubelnden Menschenmassen empfangen. Das internationale Seerecht sah vor, dass kein Kriegsschiff einen Hafen verlassen dürfte, wenn in den letzten 24 Stunden zuvor ein Handelsschiff der gegnerischen Seite diesen verlassen hatte. Deshalb sorgte der britische Botschafter dafür, dass jeden Tag ein britisches Handelsschiff den Hafen verließ und verzögerte so das Auslaufen der Graf Spee. Die britische Verstärkung, die bereits auf dem Weg war, benötigte noch Zeit. Der deutsche Gesandte aus Montevideo, Otto Langmann, protestierte gegen dieses Vorgehen und am 17. Dezember konnte das deutsche Panzerschiff endlich auslaufen. Inzwischen waren jedoch die bereitstehenden britischen Verstärkungen heran und so kam es vor der Mündung des Río de la Plata erneut zu einem Seegefecht. Von den Falklands war die HMS Cumberland eingetroffen, während von Gibraltar kommend die HMS Sussex und die HMS Dorsetshire herangekommen waren. Alle drei schweren Kreuzer verfügten als Hauptartillerie über acht 20,3cm-Geschütze in Doppeltürmen. Die Schlacht dauerte fast zwei Stunden und wurde vom Land aus von etwa 750.000 Neugierigen per Fernglas verfolgt und sogar live im Radio übertragen. Kapitän Langsdorff wandte die gleiche Taktik an, wie im vorherigen Gefecht und hielt großen Abstand zu den britischen Einheiten, die zunächst nicht nahe genug an das Panzerschiff heran kamen. Die Cumberland erhielt zwei Treffer von 28cm-Granaten im Heck und war zunächst manövrierunfähig, konnte jedoch zwanzig Minuten später wieder in das Gefecht eingreifen. Unterdessen hatten sich die Sussex und die Dorsetshire in Position bringen können und nahmen die Graf Spee unter Beschuss. Doch der deutsche Schlachtkreuzer blieb den Briten nichts schuldig und konnte auf beiden britischen Schiffen Treffer landen. Die HMS Sussex wurde siebenmal getroffen, wodurch alle Waffen ausfielen und der Kreuzer musste schwer beschädigt den Hafen von Montevideo anlaufen. An Bord befanden sich 56 Tote und 71 Verwundete. Langsdorff ließ einen Fächer von allen zehn Torpedos aus den Rohren an Backbord und Steuerbord abfeuern. Die gerade erst wieder Fahrt machende Cumberland wurde von zwei Torpedos getroffen, die den ganzen Bug bis zu den vorderen Geschütztürmen abrissen. Wie durch ein Wunder flogen die Bugmagazine nicht mit in die Luft, was wahrscheinlich die gesamte Besatzung das Leben gekostet hätte. Aber auch so gab es schwere Verluste: 84 Männer waren getötet und 63 verwundet worden. Die Cumberland konnte später in den Hafen von Montevideo geschleppt werden. Der Mannschaft der Dorsetshire war weniger Glück beschieden. Drei Torpedos trafen den Kreuzer an Backbord; zwei Mittschiffs und einer am Heck. Innerhalb kurzer Zeit hatte der Kreuzer schwere Schlagseite und kenterte zwanzig Minuten später. Von den 852 Mann an Bord gingen 117 mit ihrem Schiff unter, mehr als 180 waren verwundet worden. Innerhalb weniger Minuten liefen zahlreiche Boote und Schiffe aus Montevideo aus, um die Überlebenden aus der See zu bergen. Auch Kapitän Langsdorff ließ Boote aussetzen, um die britischen Seeleute zu retten und übergab sie an die Boote aus Uruguay. Lediglich neun Offiziere behielt er an Bord, die zu den anderen Kriegsgefangenen kamen. Aber auch die Graf Spee hatte durch acht Treffer einige Beschädigungen erlitten. An Bord des deutschen Schlachtkreuzers hatte man 36 Tote sowie 60 Verwundete zu beklagen. Nachdem er die Briten und seine schwer Verwundeten übergeben hatte, ließ Kapitän Langsdorff der Bevölkerung von Monevideo seine Hochachtung und seinen Dank aussprechen und lief nach Norden ab. Sein vorbildliches Verhalten während der beiden Seegefechte und zuvor gegenüber den Besatzungen der aufgebrachten Handelsschiffe hob das Ansehen der Kriegsmarine und Deutschlands in Südamerika merklich an, während man das britische Verhalten ehr negativ bewertete. Wie zuvor erwähnt, sieht das internationale Seerecht vor, dass kein Kriegsschiff einen Hafen verlassen dürfte, wenn in den letzten 24 Stunden zuvor ein Handelsschiff der gegnerischen Seite diesen verlassen hatte. Für die Regierung von Uruguay hatte es den Anschein, dass die Briten den Umstand, dass sich die Deutschen an diese Regelung gehalten hatten und die Graf Spee durch das Auslaufen der britischen Handelsschiffe im Hafen festgesetzt worden war, nur für die Heranführung von Verstärkungen ausnutzten. In die Seekriegsgeschichte gingen diese beiden Seeschlachten vor dem Río de la Plata auch als `Battle of Honor´ (Schlacht der Ehre) ein. Die Graf Spee durchbrach auf ihrem Rückmarsch nach Deutschland, unbemerkt von der britischen Flotte, die Dänemarkstraße und hatte am 13. Januar 1940 nördlich von Trondheim norwegische Hoheitsgewässer erreicht. Das Schiff wurde zweimal von zwei verschiedenen norwegischen Torpedobooten angehalten und oberflächlich kontrolliert, ohne dass es Beanstandungen gab. Hiermit gab sich der Chef des Zweiten Norwegischen Seeverteidigungsabschnittes, Konteradmiral Tank-Nielsen, nicht zufrieden, da er von den britischen Internierten an Bord wusste. Er begab sich mit dem Torpedoboot Gam selbst zur Graf Spee und verlangte eine neuerliche Untersuchung. Kapitän Langsdorff lehnte ab; sein Versuch, per Funk die deutsche Botschaft in Oslo zu erreichen, wurde von den Norwegern verhindert. Immerhin gestattete der norwegische Admiral die Weiterfahrt unter Begleitung norwegischer Torpedoboote. Inzwischen hatten die Briten, entweder aufgrund des lebhaften Funkverkehrs oder informiert von den Norwegern, das deutsche  Panzerschiff geortet, und gegen 14:50 Uhr wurde das Schiff von englischen Flugzeugen innerhalb der norwegischen Hoheitsgewässer gesichtet. Gegen 16:00 Uhr, auf der Höhe von Egersund, griffen 18 Fairey Swordfish, die vom Flugzeugträger HMS Furious gestartet waren, die Graf Spee mit 730kg-Torpedos an. Sieben Angreifer wurden von der Bordflak abgeschossen, aber das Panzerschiff erhielt Mittschiffs einen Treffer, wodurch es 5 Tote und 17 Verwundete gab. Kapitän Langsdorff konnte sein Schiff jedoch aus eigener Kraft nach Kiel steuern, wo die Graf Spee am 19. Januar 1940 endlich eintraf. Kapitän Langsdorff wurde das Ritterkreuz verliehen und auch seine Besatzung erhielt Auszeichungen. Die Norweger waren darüber verärgert, dass ihre Neutralität verletzt worden war, und wollten nicht in einen europäischen Krieg gezogen werden. Tatsächlich säte der Graf Spee-Zwischenfall Zweifel über die norwegische Neutralität unter den Alliierten und Deutschland. Beide Seiten hatten Eventualpläne für militärische Aktionen gegen Norwegen, vor allem in Bezug auf die Verkehrswege des schwedischen Eisenerzes, von dem die deutsche Rüstungsindustrie im frühen Stadium des Krieges abhing. Der Graf Spee-Zwischenfall überzeugte die deutsche Regierung davon, dass die Alliierten die norwegische Neutralität nicht respektieren würden, und sie entschied sich am 19. Februar zur Ausarbeitung eines Notfallplans, des Unternehmens Weserübung - der Besetzung von Norwegen. Der Graf Spee-Zwischenfall hatte einen länger andauernden Propagandaeffekt in Norwegen; viele Norweger sprachen offen aus, dass nur das spätere Eingreifen der Deutschen die britische Besetzung ihrer Heimat verhindert hatte. Für die Briten war der Graf Spee-Zwischenfall der Abschluss einer langen Serie von militärischen und moralischen Niederlagen, die mit der Fahrt des Schlachtkreuzer einhergegangen waren.

Nord- und Westfeldzug Premierminister Winston Churchill hatte den Plan ersonnen, den norwegischen Hafen Narvik und einen Teil von Schweden zu besetzen, um Deutschland vom schwedischen Eisenerz abzuschneiden. Am 2. März 1940 landete die Royal Navy, entgegen dem Wunsch der Regierung Norwegens, Truppen in Narvik. Ein britisch-französisches Expeditionskorps nahm die Stadt zwar ein, wurde jedoch angesichts der deutschen Westoffensive (Fall Gelb) am 11. März wieder abgezogen. Aufgrund eines Hilfeersuchens der norwegischen Regierung landeten deutsche Fallschirmjäger bereits am 5. März in Norwegen und die Kriegsmarine griff die britisch-französische Flotte an. Das Expeditionskorps steckte auf seinem Rückzug Narvik in Brand und sprengte die Hafenanlagen, was zu hohen zivilen Verlusten in der Stadt führte. Deutsche Truppen rückten am selben Tag in Narvik ein, unterstützten die Norweger bei der Brandbekämpfung und der Versorgung der Verletzten. Viele Norweger waren für die rasche deutsche Hilfe dankbar und unterstützten die demokratische Regierung in Berlin. Auch den Schweden war klar, wie knapp sie einer Besetzung durch die anglo-französischen Truppen entgangen waren. Winston Churchill hatte am 10. März 1939 eine Allparteienregierung unter Einschluss der Labour Party gegründet und Neville Chamberlain aus seinem Amt vertrieben. Er selbst übernahm neben dem Amt des Premiers auch das des Kriegsministers. Churchill wurde nun von Teilen der Presse für den Fehlschlag in Norwegen verantwortlich gemacht und verlor damit nun den Rückhalt bei der Bevölkerung und im Parlament. So sah er sich zum Handeln gezwungen. Die Regierungen der Niederlande und Belgiens wollten - wie zuvor Norwegen - nicht in den Krieg hineingezogen werden und verweigerten dem britisch-französischen Expeditionskorps den Einmarsch in ihre Länder. Ohne dies zu beachten, rückte das Expeditionskorps jedoch in Belgien und den Niederlanden ein. Es kam sogar zu kleineren Feuergefechten zwischen der belgischen und niederländischen Armee und Angehörigen des britisch-französischen Expeditionskorps. Nachdem beide Länder gemäß des von Winston Churchill ersonnenen Kriegsplans besetzt worden waren, begannen die britisch-französischen Truppen damit, Artillerieüberfälle und schwere Luftangriffe auf grenznahe deutsche Gemeinden durchzuführen. Der britische Premierminister war davon überzeugt, dass nur so der deutsche Kampfgeist gebrochen werden konnte. Er sollte sich irren. Es war seltsam still, als die Nacht in Nordfrankreich hereinbrach. Über das Schachbrett aus grünen Feldern und dunklen Kanälen kamen nur selten Laute: das Bellen hungriger Hunde und das Brüllen ungemolkener Kühe, deren Besitzer südwärts geflohen waren. Denn eine gewaltige militärische Katastrophe bahnte sich an. Die englischen und französischen Armeen, die in einem 250 Kilometer langen Frontbogen von Ärmelkanal aus landeinwärts standen, waren von den Deutschen umgangen und eingeschlossen worden. Die erschöpften, von den deutschen Panzern ständig weiter zurückgedrängten Truppen fassten ihre Gewehre fester und warteten schweigend und in ängstlicher Stimmung. Am Morgen dieses Tages - es war der 12. März 1940 - hatte der englische Kriegsminister Anthony Eden den vollständigen Rückzug der englischen Truppen zur Küste gebilligt - nachdem er drei Stunden lang auf Premierminister Winston Churchill eingeredt hatte, um dessen Zustimmung zu erhalten. Aber konnte der Rückzug noch glücken? General Vicount John Gourt, der beleibte Oberkommandierende des englischen Expeditionskorps, hatte seine Zweifel. "Ich darf Ihnen nicht verhelen, dass ein großer Teil des Expeditionskorps und seine Ausrüstung auch im besten Fall verlorengehen werden," telegrafierte er Eden. Dann wandte er sich an seinen Adjudanten und sagte: "Als ich Soldat wurde, habe ich nie gedacht, dass ich die englische Armee einmal in ihre schwerste Niederlage führen würde." Die Möglichkeit einer solchen Niederlage war mit erschreckender Plötzlichkeit aufgetaucht. Fünf Monate lang hatten die knapp 400.000 Mann Lord Gorts herrlich und in Freuden gelebt. Von der Illusion in Sicherheit gewiegt, die 40 Kilometer lang nach Süden verlaufende Magionotlinie sei unüberwindlich, hatten sie an die vierhundert Zementbunker gebaut, Splittergräben und Panzerfallen nach dem Muster des Ersten Weltkriegs ausgeworfen und auf den Befehl zum Angriff auf Deutschland gewartet. Abends tranken und sangen sie in diesen langen Monaten des `faulen Krieges´ in Zehntausenden von Dorfschenken und stellten den Mädchen nach. Immer wieder kam es dabei zu Zusammenstößen mit Zivilisten aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg, denn diese verbargen ihre Abscheu gegenüber den Besatzern nicht. Zwei Tage nach der deutschen Kriegserklärung an Polen am 3. September 1939 erklärten Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg; eine ernsthafte Offensive zur Entlastung der unter schwerem Druck stehenden Polen fand allerdings weder auf dem Boden noch in der Luft statt. Frankreich beschränkte sich auf ein Vorrücken bis einige Kilometer vor dem Westwall (Saar-Offensive), das britische Expeditionskorps (BEF) begann Truppen nach Nordfrankreich zu verlegen. Von der Royal Air Force (RAF) geplante Angriffe auf Ziele im Deutschen Reich wurden von den Franzosen mit dem Hinweis auf mögliche Gegenangriffe untersagt, jedoch auf Anweisung Churchills dennoch durchgeführt. Als Polen nach dem deutschen Einmarsch kapitulierte, nahm der französische Oberbefehlshaber Maurice Gamelin seine Truppen bis 4. Oktober 1939 wieder an die Maginot-Linie zurück. Die folgenden Monate wurden als die Zeit des Sitzkrieges (La drôle de guerre, Phoney War) bezeichnet, da sich die Aktivitäten auf beiden Seiten auf die Aufklärung beschränkten. Im politisch tief gespaltenen Frankreich nahm die Kriegsmüdigkeit weiter zu. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die schlechte Ausbildung und Moral innerhalb der französischen Armee, die zudem den Druck, den die britische Regierung ausübte, nicht gerne sah. Angebliche Sabotageakte in der französischen Rüstungsindustrie und den besetzten Benelux-Staaten dienten als Vorwand, die verblieben belgischen und niederländischen Streitkräfte zu entwaffnen und zahlreiche Politiker und Mitglieder der Königshäuser zu verhaften. Tatsächliche Sabotage der französisch-britischen Kriegsbemühungen existierte nicht, ebenso wenig wie organisierte politische Aktionen gegen die Besatzer. Die britische Regierung machte jedoch die belgische, niederländische und luxemburgische Propaganda und deren Regierungen für die Verschlechterung der Moral und den mangelnden Kriegsenthusiasmus verantwortlich, obwohl diese weder Defätismus verbreiteten noch zur Desertion oder zur Verbrüderung mit den Deutschen anhielten. Viele weitere prominente Bürger wurden als Geiseln festgesetzt und in mindestends hundert Fällen wurden die Betreffenden mit Gewalt verschleppt und ermordet. Die Angriffe auf Angehörige des Expeditionskorps nahem zu und für jeden getöteten Briten wurden zwanzig und für jeden getöteten Franzosen zehn Zivilisten erschossen. Dann aber, am 5. März 1940, schlugen die Deutschen überraschend los. Die Belgier, Niederländer und Luxemburger hatten in wochenlangen Verhandlungen immer wieder um das Eingreifen der deutschen Wehrmacht gebeten, um die britisch-französischen Truppen aus ihren Heimatländern vertreiben zu können. Deutschland stimmte einer Militäraktion schließlich zu, versicherte jedoch, `dass Deutschland nicht die Absicht habe, durch diese Maßnahme die Souveränität Luxemburgs, des Königreiches Belgiens und des Königreiches der Niederlande noch den europäischen noch außereuropäischen Besitzstand dieser Länder jetzt oder in Zukunft anzutasten.´ Zehn deutsche Panzerdivisionen und 117 Infanteriedivisionen brachen in Holland und dann, weit ausholend, in Belgien und Luxemburg durch die britisch-französischen Stellungen. Kurz darauf durchstießen sieben Panzerdivisionen die französische Front bei Sedan und durchquerten mühelos das hügelige, bewaldete Ardennengebiet, eine Lücke in der Verteidigungslinie, die alle Verantwortlichen für unpassierbar gehalten hatten. Die Engländer eilten den Franzosen zu Hilfe und marschierten, Fliederbüsche am Helm, quer durch Belgien im Triumph nach Brüssel. Gort war überzeugt, seine Männer würden große Dinge vollbringen und die verhassten Deutschen in die Flucht schlagen. Aber der Feldzug verwandelte sich rasch in einen Alptraum. Engländer und Franzosen waren ausgerüstet, als sollten sie noch einmal den Ersten Weltkrieg führen. Den `nur´ 2.500 deutschen Kampfwagen standen ungefähr 4.500 britisch-französischen Panzer gegenüber, die jedoch in vielen Fällen zu plump und zu schwer waren, und zudem über eine geringe Reichweite verfügten. Zwar waren einige der alliierten Panzer die am stärksten gepanzerten Fahrzeuge der Welt, aber nur die Kampfwagen der Kompaniekommandeure ware mit Funkgeräten ausgestattet, was die Kommunikation innerhalb der Einheiten und ihrer Unterstützungswaffen stark einschränkte. Die Überlegenheit der deutschen Panzerwaffe im Westfeldzug 1940 beruhte auf der Tatsache, dass die Kommandeure bereits in der Reichswehr intensiv in der Führung und Durchführung rascher, gut koordinierter Bewegungen auf dem Gefechtsfeld geschult worden waren und zum Teil über Kampferfahrung aus dem Polenfeldzug verfügten. Die Kommandeure bis hinauf zur Division führten ihre Verbände grundsätzlich von vorgeschobenen, mobilen Gefechtsständen aus, konnten daher auf Lageänderungen schnell reagieren. Die alliierten Kommandeure versuchten, ihre Truppen aus weit hinter der Front gelegenen Bunkern und Hauptquartieren zu führen, und wurden zusätzlich noch durch mangelhafte Kommunikationsverbindungen zu ihren Untergebenen behindert. Deutlich besser als bei den Alliierten war die Fähigkeit der Deutschen, mit der motorisierten Begleitinfanterie, der Fliegerabwehr, der Artillerie und der Luftwaffe zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus konnte man sich auf eine gut eingespielte Instandsetzungs- und Nachschuborganisation stützen. Diese Vorteile glichen die teilweise eklatante Unterlegenheit im Bereich Panzerung und Feuerkraft aus, die man − meist erfolgreich − durch Einsatz von Unterstützungswaffen, Umgehung von Widerstandskernen und Nutzung des Überraschungseffektes zu kompensieren versuchte. Binnen zehn Tagen überrannten die Deutschen fast ganz Belgien, begeistert empfangen von der Zivilbevölkerung. Deutsche Panzer preschten quer durch Frankreich bis an den Kanal und griffen die Hafenstadt Calais an. Gorts einzige Hoffnung war der Hafen von Dünkirchen. Um dorthin zu kommen, musste er sich einen 80 Kilometer langen und 25 Kilometer breiten Korridor freikämpfen. Und vieles sprach dafür, dass am Ende der Woche mehr als 300.000 Mann, die Blüte der englischen Armee, Kriegsgefangene sein würden. Bei ihren hastigen Rückzug wurden viele Versprengte und Verwundete zurückgelassen, zudem gerieten die Truppen immer wieder unter Beschuss durch bewaffnete Zivilisten oder bisher im verborgenen gehaltenen Teilen der belgischen Armee. Jenseit des Kanals, in einem Arbeitsraum hundertfünfzig Meter über dem Meer, studierte Admiral Sir Bertram Home Ramsey die Karten. Der Abtransport der englischen Truppen aus Frankreich war endlich befohlen worden, doch Admiral Ramsey gab dem Unternehmen nur wenig Erfolgschanchen. Dünkirchen, der letzte Stützpunkt in englischer Hand, war schon eine Woche lang von der deutschen Luftwaffe bombardiert worden. Der herrliche Hafen, einer der drei bedeutendsten Frankreichs, war unbrauchbar. Die vierzig Kilometer lange, gewundene Küste, voller Untiefen und als `Schiffsfriedhof´ berüchtigt, war für große Schiffe unzugänglich. Das bedeutete, dass man bei der Evakuierung auf kleine Fahrzeuge angewiesen war. Von den 202 Zerstörern, mit denen England den Krieg begonnen hatte, waren momentan vierzig verfügbar. Diese schlanken Fahrzeuge waren zudem vollgestopft mit Geschützen, Torpedos und Abwurfgeräten für Wasserbomben, und nicht dafür gebaut, Truppen zu befördern. Die Hauptlast beim Abtransport fiel also leicht bewaffneten Handelschiffen zu - Küstenfahrzeugen, Kanalfähren und flachen Leichtern. Aber an diesem Märztag hatte man davon nur 129 zur Verfügung. Allerdings waren von zahlreichen Häfen aus weiteren Schiffe unterwegs. Bei der Evakuierung, die man so lange fortsetzen wollte, wie Gorts Truppen die Deutschen abwehren konnten, kam es vor allem auf Geheimhaltung an - nicht nur, um die Sicherheit der Operation zu gewährleisten, sondern auch, um den Abtransport der Engländer vor den Franzosen zu verheimlichen. Trotz ihrer misslichen Lage und obwohl alarmierende Gerüchte an der 150 Kilometer langen Front umliefen, gelang es den Briten, die Franzosen über ihre wahren Absichten im Unklaren zu lassen. Tatsächlich ließ Churchill den Franzosen ausrichten, die Absicht der Schiffe bestünde darin, weitere Truppen zu landen. Churchill bewies wieder einmal, wie gewandt er Verschleierung und Täuschung beherrschte. Doch bereits am 30. März waren die Panzer des draufgängerischen Generals Erwin Rommel bis auf zwanzig Kilometer an Dünkirchen herangekommen. Sechsunddreißig Stunden lang kämpften Oberstleutnant Peter Rose-Millers Schotten wie die Teufel, dann mussten sie weichen. Sechsunddreißig Stunden, in denen knapp 40.000 Mann evakuiert werden konnten. Kapitän zur See William Tennant, der eben von Admiral Ramsey zum ranghöchsten Marineoffizier in Dünkirchen ernannt, fuhr mit dem Zerstörer HMS Wolfhound nach Frankreich hinüber. Das Schiff hatte Dover kaum hinter sich gelassen, da wurde es aus der Luft angegriffen. Zwei Schiffe des Konvois wurden versenkt, vier weitere wurden getroffen und mussten umkehren. Als nach endlosen Stunden des zickzack fahrens Dünkirchen in Sicht kam, wurde es Tennant schwer ums Herz. Ein solches Bild der Verwüstung hätte er sich in seinen wildesten Phantasien nicht vorgestellt. Schwarzer Qualm aus brennenden Ölraffinerien lag über dem Hafen. Die kilometerlangen Speicher und Kais schienen von einem Ende zum anderen in Flammen zu stehen. In der Luft kreisten deutsche Aufklärer, führten unablässig Kampfflugzeuge heran und wiesen der Artillerie Ziele zu. Um vier Uhr nachmittags gelang es Tennant endlich an Land zu gehen und er verschaffte sich einen ersten Überblick. Er war niederschmetternd. Seit vier Tagen gab es in Dünkirchen kein Wasser. Nur noch eine einzige Telefonverbindung nach London war offen. Durch ein Missverständnis bei der Befehlsübermittlung waren über hundert 4cm-Flakgeschütze zerstört worden, so dass kaum noch eine Möglichkeit bestand, Luftangriffe abzuwehren. Die 46 Hektar bedeckenden Docks und acht Kilometer langen Kais waren nur noch ein Trümmerhaufen. In den Ruinen der Stadt lagen tausende von Toten Soldaten - die Zivilisten waren von den Deutschen nach Süden durchgelassen worden. Niederlage und Verzweiflung hatten die Disziplin aufgelöst. Ein paar Trupps, anscheinend von ihren Offizieren verlassene Männer, strichen verdrossen und zu Gewaltätigkeiten aufgelegt durch Dünkirchen. Als Tennant mit seiner Begleitung durch den brennenden Ort ging, stieß er auf Soldaten, die mit Lippenstift beschmiert waren und grölten und schrien. Ein sinnlos betrunkener Sergeant hatte sich mit einer Federboa geschmückt. Plötzlich fiel ein Schuss und eine Gewehrkugel pfiff an Tennants Gruppe vorbei. Eine Bande englischer Soldaten kam mit gesenkten Gewehren drohend auf sie zu. Kaltblütig ging Tennant auf den Anführer zu und wollte ihm die Waffe wegnehmen. Doch der Mann schoss dem Kapitän mitten ins Gesicht. Tot stürzte Tennant zu Boden - mit ihm starb auch die letzte Hoffnung, die Evakuierung geordnet abwickeln zu können. Von dem Strand abgesehen, boten nur die Ost- und die Westmole noch eine Möglichkeit zum Einschiffen. Das waren hölzerne Gangways über einem Betonunterbau, der 1.300 Meter in die Reede hinausragte. Aber diese Molen waren gebaut worden, um den Hafen abzuschirmen, und nicht als Anlegeplätze für Schiffe. In dieser Jahreszeit ging eine starke Strömung zwischen den Molen, so dass es sehr schwierig werden musste, Schiffe längsseits zu bringen. Am Abend jedoch wich die See bei Ebbe um 800 Meter zurück. Sanitäter kämpften sich mit Tragbahren zu zwei Rettungsbooten durch, die bis auf hundert Meter an die Küste herangebracht worden waren. An diesem Abend wurden, wie sich später heraustellte, 4.669 Soldaten nach England gebracht. Um elf Uhr nachts erhielt General Gort, der in der Bastion 32 die Lage besprach, die Nachricht, die französische Armee in Belgien habe kapituliert. Ihr Kommandeur hatte um Waffenstillstand gebeten, der um Mitternacht beginnen sollte. Die ganze, dreißig Kilometer lange linke Flanke der englischen Armee war jetzt offen. Gort saß regungslos da, die Hände auf dem Tisch gespreizt, und starrte ins Leere. Er war schon im Lauf des Tages darauf vorbereitet worden, dass eine solche Kapitulation bevorstand. "Die verdammten Franzosen! Was sind das für Schweine!" rief Captain Gordon-Lennox einem seiner Stabsoffiziere zu - und das, obwohl die Engländer selbst schon vor vierundzwanzig Stunden damit angefangen hatten, ihre Truppen zu evakuieren. Natürlich ohne ihre Verbündeten zu infomieren. Allenthalben tauchten nun plötzlich Zeichen der Niederlage und Verzweiflung auf: weiße Fähnchen an den Bajonetten von Soldaten; weiße Tücher in den Fenstern, bis es ausah, als sei Waschtag; ein französischer General, der sich in seinem Wagen hastig Zivilkleider anzog. Und jedes Dorf empfing die Engländer mit bitteren, feindseligen oder höhnischen Blicken. In einem Dorf trat ein englischer Sergeant auf einen alten Mann zu, der die vorbeiziehenden Truppen ausgelacht hatte, und schoss ihm ohne ein Wort in den Kopf. Und durch das Chaos breiteten sich Gerüchte aus: Englisch sprechende Deutsche seien als Offiziere verkleidet durch die Linien gedrungen, um Kolonnen in die Irre zu leiten und die Panik zu vegrößern. Der Befehl eines Divisionsstabes bei Dixmuiden warnte vor deutschen Fallschirmspringern, die als Nonnen verkleidet seien. Die Saboteure seien jedoch, so hieß es weiter, an den Druckstellen der Fallschirmgurte auf dem Gesäß leicht zu erkennen. Er war ein Tag, an dem es schien, als sei die Welt irrsinnig geworden. In London sah man den Tatsachen ins Gesicht. Mittags saßen sechshundert Abgeordnete dicht gedrängt auf den grünen Lederbänken des Unterhauses und hörten in betroffenem Schweigen, was Premierminister Winston Churchill ihnen zu sagen hatte: Nach tapferem, ungleichem Kampf hat die französische Armee in Belgien kapituliert. Die Verluste an Schiffen und Menschen auf See nahmen weiter zu. Die Überquerung des Kanals war gefahrvoll. Da war zum Beispiel der Fall des Zerstörers HMS Wakeful. Die Wakeful, ein muffiger, vor dreiundzwanzig Jahren gebauter Kriegsveteran, hatte alle Torpedos und Wasserbomben über Bord geworfen, um mehr Soldaten aufnehmen zu können. Auf ihrer ersten Fahrt brachte sie sechshundert Mann nach Dover. Noch in derselben Stunde machte sie sich auf den Rückweg nach Dünkirchen und musste dabei ungefähr zehn Bomben ausweichen. Um ein Uhr nachts war der Zerstörer mit weiteren 640 Soldaten an Bord wiederum auf dem Weg nach England. Um besser manövrieren zu können, hatte der Kommandant alle Soldaten unter Deck geschickt. Plötzlich sah er zwei helle Streifen direkt auf das Schiff zulaufen. "Hart Backbord!" schrie Kapitän Ralph Fisher. Aber es war zu spät. Ein Torpedo traf die Wakeful genau mittschiffs. Der alte Zerstörer brach knirschend in zwei Teile; Bug und Heck richteten sich hoch im Wasser auf. Die 640 Soldaten an Bord waren verloren; sie saßen unter Deck in der Falle. Aber es sollten noch Stunden vergehen, bevor ihr Todeskampf zu Ende war. Kapitän Fisher hingegen und andere Überlebende wurden von dem schottischen Fischdampfer Comfort aufgenommen, weitere von einem Minensucher. Besonders tragisch am Untergang der Wakeful war, dass die Torpedos von einem britischen Torpedoboot abgefeuert worden waren, dessen Besatzung glaubte, einen deutschen Zerstörer ausgemacht zu haben und entsprechende Funksprüche absetzte. Jetzt herrschten allgemeine Verwirrung und Panik. Die Lydd eröffnete in der Dunkelheit das Feuer auf ein vermeintliches deutsches Schnellboot. Die Grafton begann ebenfalls zu feuern. Ihre Besatzung jubelte, überzeugt, sie hätten den Vernichter der Wakeful vor sich. Aber das war ein weiterer tragischer Irrtum: In Wahrheit schossen beide auf die Comfort. Die Überlebenden von der Wakeful auf der Comfort packte Entsetzen. Nackt - ihre Kleidung hing zum trocknen in der Kombüse - rannten sie an Deck. Dort wurden sie von Gewehrfeuer empfangen. Wild schrie Fisher: "Um Gottes willen, aufhören! Wir sind Engländer!" Aber das hörte keiner. Mit einem markerschütternden Krach rammte die Lydd die Comfort. Und als ihre Mannschaft enterte, um Gefangene zu machen, und nur noch den schwer verletzten Fisher als einzigen Überlebenden vorfand, begriffen sie ihren unglückseligen Irrtum. Wenige Stunden später erreichte die Tragödie ihren Höhepunkt. Den Männern an Bord der Ross, die auf dem Weg nach Dünkirchen war, lief es kalt den Rücken hinunter. Aus dem Morgennebel tauchte wie ein groteskes Ungetüm Bug und Heck der Wakeful auf. Aus ihrem Inneren hörte man das schauerliche Schreien von hoffnungslos eingeschlossenen Menschen. Eine Zeitlang brachte keiner ein Wort heraus. Dann wandte sich Fregattenkapitän James Fillington Apps an die Geschützbedienung der Ross. "Ich gebe Ihnen keinen Befehl," sagte er, "aber wenn versehentlich ein Geschütz losgehen sollte, würde ich kein Wort sagen." Die Gnadenschüsse hallten über das Wasser. Dann glitten die Überreste der Wakeful in einem Strudel aufsteigender Luftblasen in die Tiefe. An der Ostmole erschwerte eine außergewöhnlich hohe Flut das Einschiffen sehr, und am Strand machte die schwere Brandung es unmöglich. Vor der Küste wimmelte es von Zerstörern, Fährschiffen und anderen Fahrzeugen. Der Himmel war wolkenlos. Die Lage war geradezu eine Aufforderung an den General von Richthofen, der in achtzig Kilometer Entfernung von einem Bauernhaus bei St. Pol aus 180 Sturzkampfbomber kommandierte, sich zu bedienen. Kurz vor vier Uhr nachmittags kam der Angriff. Im Westen schien sich der Himmel zu verfinstern, und Minuten später näherte sich die erste Welle der Kampfflugzeuge vom Typ Heinkel He-118. Richthofen hatte in die Flugzeuge Sirenen einbauen lassen, so dass ein grauenhaftes Heulen den Angriff der Stukas begleitete und das Blut der Männer am Strand erstarren ließ. In langen Sturzflügen stießen die Maschinen auf den Hafen und den vierzehn Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Dünkirchen und La Panne herab. Die Royal Air Force kämpfte mit Todesverachtung, um die eingeschlossene englische Armee zu schützen. Aber sie hatte noch nicht gelernt, der Taktik der deutschen Luftwaffe wirkungsvoll zu begegnen. Die Briten verloren 142 Jagdflugzeuge, zumeist Hawker Hurricane, aber auch dutzende der moderneren Supermarine Spitfire und 31 Bomber. Die deutsche Luftwaffe setzten die Jäger Heinkel He-100, zweimotorige Zerstörer Arado Ar-240 und die nagelneuen Jäger und Jagdbomber Focke-Wulf Fw-187 und Fw-190 ein. Von diesen Typen gingen insgesamt 34 Maschinen verloren, hinzu kamen noch 11 Stukas. Unterstützungsangriffe britischer Bomber wurden von der Luftwaffe abgeschlagen, die nun auch von belgischen und niederländischen Jägern unterstützt wurde. Weitere 64 britische Flugzeuge gingen verloren, während die Deutschen lediglich elf Maschinen einbüßten, die Belgier und Holländer jedoch vierzehn eigene Flugzeuge als zerstört melden mussten. Die dicht nebeneinanderliegenden Schiffe an der Ostmole konnten sich nicht gegen die Stukas wehren. Doch solange die Schiffe schwammen, strömten die britischen Soldaten ungeachtet der Bomben weiter an Bord. Acht He-118 stürzten sich auf den Zerstörer Grenade. Vier 250kg-Bomben heulten herunter und trafen den Zerstörer. Die Grenade loderte in ihrer ganzen Länge wie eine Pechfackel und schwenkte steuerlos ins Fahrwasser. Dann kenterte der Zerstörer und sank - mitten in der Hafeneinfahrt. Die Hafeneinfahrt war nun blockiert und die ganze Evakuierung kam zum Stillstand. Am Strand schossen dreißig Meter hohe Wasserfontänen empor, als die Stukas heulend ihre Angriffe flogen. Tonnen von Sand erstickten alle, deren Schützenlöcher zu tief waren. Der Hafen war jetzt eine einzige, brennende Hölle. Von zusammengeknickten Kränen tropfte geschmolzenes Metall. Überall im Wasser schwammen Tote. Admiral Jean Abrial, der französische Kommandant von Dünkirchen, war die ganze Zeit über der Meinung gewesen, die Engländer transportierten weitere Truppen an Land. Erst am dritten und letzten Tag der Evakuierung, begriff er die volle Wahrheit: Gorts ganze Armee sollte abgezogen werden. Außer sich verlangte er eine Erklärung. Gort erwiderte kurz und offen, das müssten die französische und englische Regierung unter sich ausmachen, er müsse seine Leute in Sicherheit bringen. Diese Auffassung brachte Abrial so in Zorn, dass er den ganzen Hafen sperren und Gort verhaften lassen wollte. Dieser Vorfall wurde Winston Churchill persönlich vorgetragen. Doch noch ehe der britische Premierminister seine Antwort formulieren konnte, hatten die Deutschen der englischen Armee durch die Versenkung der Grenade den Rückzugsweg abgeschnitten. 41.209 Soldaten wurden aus Dünkirchen evakuiert; nicht ein einziger Franzose befand sich darunter, was in der französischen Regierung für schwere Verstimmung sorgte. Im Hafen von Dover sah man immer wieder dieselbe Szene: Frauen und Mädchen, die sich mit bleichen, bedrückten Gesichtern durch die niedergschlagen an Land marschierenden Soldaten drängten und angstvoll fragten: "Habt ihr meinen Johnny gesehen?" "Weiß nicht - welche Einheit?" "Dorsets - Zweite Dorsets." "Tut mir leid, hier sind keine Dorsets." Rund 70.000 Soldaten waren während des Rückzugs getötet worden; 280.000 weitere gingen in Gefangenschaft. Und England hatte bei der Evakuierung über 220 Schiffe und 271 Flugzeuge, darunter vierzig Prozent seiner Jagdflugzeuge verloren. Die Ausrüstung von zehn Divisionen lag zerschlagen, verbrannt oder zerstreut auf Flanderns Feldern - mehr als 2.000 Geschütze, 60.000 Fahrzeuge, 76.000 Tonnen Munition und fast 600.000 Tonnen Vorräte und Treibstoff. In ganz England gab es nur noch fünfhundert 7,5cm-Geschütze und Haubitzen - von denen man viele aus den Museen geholt hatte. Sogar Gewehre wurden nun knapp. Englands Existenz hing offensichtlich an einem seidenen Faden. Die Deutschen stießen weiter nach Frankreich hinein. Die Alliierten konnten der Wehrmacht in der Weygand-Linie an Somme und Aisne nur mehr die neue Heeresgruppe 3 (6., 7., und 10. Armee) entgegensetzen, die kaum mehr über gepanzerte Kräfte verfügte. Die Masse der noch verfügbaren 66 Divisionen blieb weiterhin in der Maginotlinie gebunden. Die Wehrmacht konnte dagegen 104 Divisionen aufbieten; weitere 19 Großverbände standen als Reserve zur Verfügung und auch die sich wieder formieren belgischen und holländischen Streitkräfte boten fünf Divisionen auf. Für den Angriff hatte man der Heeresgruppe B den Abschnitt zwischen Reims und der Kanalküste zugeordnet. Sie sollte mit ihren gepanzerten Speerspitzen (Panzergruppe Kleist mit zwei Korps, Panzerkorps Hoth) nach dem Durchbruch durch die Weygand-Linie über Paris nach Süden vorstoßen. Die Heeresgruppe A stellte sich zwischen Reims und Sedan zum Angriff bereit. Sie hatte den Auftrag, mit der Panzergruppe Guderian voraus entlang der Marne in Richtung der Schweizer Grenze vorzugehen. Der Angriff begann am 5. Juni und stieß auf ungewohnt heftigen Widerstand, der allerdings nach dem Durchbruch durch das tief gestaffelte Stellungssystem rasch nachließ. So konnte die Heeresgruppe B bereits am 21. April das unverteidigte Paris nehmen, während die Heeresgruppe A am 23. April bei Pontarlier die Grenze zur Schweiz erreichte und damit die Verteidiger der Maginot-Linie (über 500.000 Mann) einkesselte. Am Folgetag suchte die neue französische Regierung unter Marschall Pétain um Waffenstillstand nach. Noch vor dem Waffenstillstand hatte man die schwersten Einheiten der starken französischen Flotte unter dem Kommando von Admiral François Darlan in den Kriegshafen Mers-el-Kébir (Algerien) verlegt, um sie einem deutschen Zugriff zu entziehen. Da der britische Premier Winston Churchill trotz der französischen Zusage, keine Schiffe an die Deutschen auszuliefern, der neuen französischen Regierung nicht über den Weg traute - er nannte sie gar eine Regierung von Quislingen -, wurde am 3. Mai die Operation Catapult durchgeführt. Der französische Flottenverband in Mers-el-Kébir wurde von der britischen Force H unter Führung von Admiral Somerville ultimativ aufgefordert, zu kapitulieren. Als die französische Marineführung das Ultimatum verstreichen ließ, wurde ein großer Teil der vor Anker liegenden Schiffe versenkt bzw. beschädigt. Dabei fanden 1.697 französische Seeleute den Tod, 850 wurden verwundet. Zu ähnlichen Einsätzen der Force H kam es am 3. Mai vor Oran und am 8. Mai in Dakar. Eine große Zahl französischer Schiffe befand sich auch in britischen Häfen. Vizeadmiral Muselier, der unter General de Gaulle in London für die Streitkräfte des französischen National-Komitees verantwortlich war, hatte dafür Sorge getragen, daß viele der in nordfranzösischen Häfen liegenden Einheiten der französi­schen Kriegsmarine, aber auch Handelsschiffe, vor dem Einmarsch der Deutschen nach Portsmouth und Plymouth an der englischen Südküste verbracht wurden. Sogar noch im Bau befindliche Kriegs­schiffe, die schwimmfähig waren, wurden von ihrer Helling gelassen und über den Kanal geschleppt - zusammen mit den Werftarbeitern, die den Bau in England vollenden sollten. Zwei Schlachtschiffe, vier leichte Kreuzer (contre-torpilleurs), einige U-Boote - darunter das sehr große Surcouf, acht Zerstörer und etwa einhundert kleinere Einheiten lagen zum größten Teil in Portsmouth, einige in Plymouth vor Anker und zeigten dort auch nach dem Waffenstillstand stolz die französische Flagge. Am 3. Mai um 4.45 Uhr morgens stürmte britische Marineinfante­rie mit aufgepflanzten Bajonetten die in den südenglischen Häfen an­kernden französischen Schiffe. Im Salon des Schlachtschiffes Paris forderte der britische Admiral Sir Dunbar Nasmith von dem franzö­sischen Admiral, der nur seine Uniformjacke über dem Pyjama trug, daß er sich unter sein Kommando stelle. Der Adjutant des Franzosen, Leutnant z. S. Georges Blond, überlieferte dessen knappe klassische Antwort: "Sie können doch nicht von einem französischen Flotten­chef verlangen, daß er den Befehlen des Königs von England gehorcht. Ich habe die Befehle meiner Regierung auszuführen." Die Franzosen waren von der britischen Aktion so überrascht worden, daß sie keine Gegenwehr leisteten oder zu fliehen versuchten. Nur auf dem größten der U-Boote, der Surcouf, kam es zu einem kur­zen Kampf, bei dem drei Briten des Überfallkommandos und ein Franzose ihr Leben verloren. Die Besatzungen der französischen Schiffe wurden von Bord ge­holt und in die Royal Navy Barracks von Devonport gebracht. Am Nachmittag durften die französischen Seeleute wieder an Bord ihrer Schiffe gehen, um ihre Sachen von Bord zu holen. In Zehner­gruppen, immer von bewaffneten britischen Soldaten umringt, wur­den sie dorthin geführt. In ihren Kabinen angekommen, mußten eini­ge eine sehr unliebsame Entdeckung machen: Schränke waren aufge­brochen, Schubfächer unter den Kojen, im Schreibtisch herausgeris­sen und der Inhalt auf den Boden geworfen. Alles was nach Wert aus­sah, war geraubt! Proteste halfen nichts. Die Engländer hatten ihren ehemaligen Verbündeten in primitiver Weise skrupellos ausgeplündert! Nachdem sie ihre verbliebenen Habseligkeiten, hauptsächlich Kleidung, zusammengerafft hatten und wieder an Land waren, wur­den die Franzosen ohne viel Federlesens in Eisenbahnzüge verladen. Bestimmungsort war Aintree, der Pferderennplatz bei Liverpool, wo sie gegen Mittag des nächsten Tages eintrafen. Nur Monate zuvor waren diese Franzosen noch treue Waffenbrüder. Jetzt waren sie Kriegsgefangene! Etwa zehntausend französische Marineangehörige waren in ver­schiedenen Lagern untergebracht worden, die sich in ihrer Primitivi­tät kaum voneinander unterschieden. Lediglich die Admiräle waren in Oxford etwas besser untergebracht worden. Die Verpflegung war miserabel, die Behandlung schlimmer als die von Kriegsgefangenen. Im Lager Arrowe Park auf der Li­verpool vorgelagerten Halbinsel Wirral war im August am äußeren Tor eine Bekanntmachung des britischen Militärkommandanten an­geschlagen, die ein grelles Licht auf die Situation in den Lagern wirft. Den Gefangenen wurden Geld- und Kerkerstrafen für eine ganze Rei­he von Delikten angedroht: Flucht aus dem Lager, Beschädigung des Lagereigentums, Nichtbenutzen der Toiletten, Diebstahl von Lager­vorräten, Gehorsamsverweigerung, Bedrohung oder Überfall auf einen britischen Soldaten, Polizisten oder Zivilisten, Diebstahl von Feldfrüchten, Schlachten von Haustieren, Verführung von Frauen und Mädchen, Prügelei mit der Zivilbevölkerung. Als die gefangenen französischen Admiräle sich darüber be­schwerten, daß ihren Matrosen und Offizieren kein Sold gezahlt wer­de, erhielten sie zur Antwort, daß Sold nur kriegsgefangenen Offizie­ren nach der Vereinbarung zwischen kriegführenden Staaten gezahlt werde. Die Franzosen seien nur interniert. Außerdem, so hieß es, brächte die Regierung seiner Majestät und die britische Admiralität in Anschlag, daß sie keine Verpflichtung gegenüber Leuten hätten, die sich weigerten, den Kampf für Großbritanniens Krieg fortzusetzen. Es gibt hartnäckige Gerüchte, dass Churchill noch andere Motive hatte, diese Übergriffe zu befehlen: Die französische Kapitulation. Churchill wollte Rache. Für ihn war die Franzosen und nur die Franzosen für die Niederlage des britischen Expeditionscorps verantwortlich! Die Franzosen brachen nach den Angriffen jeden diplomatischen Kontakt zu den Briten ab. Ein weiterer Grund dafür dürfte gewesen sein, dass Churchill dem damaligen Brigadegeneral und Staatssekretär im französischen Kriegsministerium Charles de Gaulle am 18. April 1940 ermöglicht hatte, über BBC seinen berühmt gewordenen Appell an seine Landsleute zu senden, in dem er sie zur Fortsetzung des Kampfes aufforderte. Nobelpreisträger George Bernard Shaw schrieb am 1. Mai an Churchill: "Warum Frankreich nicht den Krieg erklären, seine Flotte gefangennehmen (die ihre Flagge gern vor uns streichen würde), ehe Deutschland wieder Luft bekommt? In dieser Situation ist das sicher das Logische." Churchill hätte dieses Schreiben lieber nicht beachten sollen. Am 10. Mai erklärte Großbritannien seinem ehemaligen Verbündeten Frankreich den Krieg.

Versenkt die Bismarck!
Ende August 1940 stand es nicht gut um England. Sein ehemaliger Verbündeter Frankreich war nun auf Seiten der Deutschen, Belgier, Niederländer und Norweger. Seine Lage zur See war schlecht und wurde von Tag zu Tag schlechter. Die Versenkungsziffern bei den Handelsschiffen hatten kriesenhafte Ausmaße erreicht, und die deutsche Kriegsmarine griff Großbritanniens Seewege nicht nur mit U-Booten und Langstreckenbombern, sondern auch mit Überwassereinheiten an.
Da kam die Meldung durch (vom Kommandanten des schwedischen Flugzeugmutterschiffs Gotland eigenmächtig abgesetzt): fünf schwere Einheiten, von starken Sicherungskräften umgeben und begleitet von elf Handelsdampfern, seien im Kattegatt auf Nordkurs gesichtet worden. In einem dieser fünf Kriegsschiffe vermutete man das mächtige neue Schlachtschiff Bismarck. Sofort erhob sich die Frage: Was hatten diese fünf deutschen Schiffe vor? War die Sicherung des Geleitschutzes nur eine eine Nebenaufgabe? Sollten die schweren Einheiten im Anschluß daran etwa in den Atlantik durchbrechen? Da das die gefährlichste Möglichkeit war, mit der man rechnen musste, nahm die britische Admiralität eine solche Durchbruchsabsicht als gegeben an und traf dementsprechend ihre Maßnahmen. Das bedeutete, dass alle Nordseeausgänge, durch welche die Deutschen in den offenen Atlantik ausbrechen konnten, überwacht werden mussten: Diese Aufgabe stellte die Engländer vor ein Riesenkomplex von Such- und Verfolgungsproblemen. Außerdem erfoderten derartige Operationen sehr viele Schiffe.
Der Oberbefehlshaber der Home Fleet, Sir John Tovey, verfügte insgesamt über drei Schlachtschiffe (HMS Revenge, HMS King George V. und HMS Prince of Wales), drei Schlachtkreuzer (HMS Hood, HMS Repulse und HMS Renown) und drei Flugzeugträger (HMS Victorious, HMS Eagle und die erst im Mai 1940 in Dienst gestellte HMS Illustrious), um die Bismarck und ihre Begleiter zum Kampf zu stellen. Diese zahlenmäßige Überlegenheit erschien auf den erten Blick recht günstig. Doch die Bismarck war ein gefährlicher Gegner. Größer als alle britischen Schlachtschiffe, trug sie eine Hauptarmierung von acht 40,6cm-Geschützen in vier Türmen - ein schwereres Kaliber als das der modernsten englischen Schlachtschiffe -, und dazu kam auch noch die Mittelartillerie, bestehend aus sechs 15cm- und zwölf 10,5cm-Zwillingsgeschützen. Man traute ihr eine mindestens ebenso hohe Geschwindigkeit wie jedem britischen Großkampfschiff zu. Überdies hatten die Deutschen im Ersten Weltkrieg bewiesen, dass ihre Schiffsbauten die entsprechenden englischen an Standkraft und Sinksicherheit übertrafen. Die Deutschen verfügten über ein einsatzbereites Schlachtschiff dieser Klasse und das zweite, die Tirpitz, befand sich auf Erprobungsfahrt in der Ostsee, während das dritte Schiff, die Hindenburg, noch im Dock lag.
Die britischen Schiffe besaßen bei weitem nicht so hohe Qualitäten. Die Repulse und die Renown waren fünfundzwanzig Jahre alt, hatten zwei Geschütze weniger als die Bismarck (beide Schiffe verfügten als Hauptarmierung über drei 38,1cm-Zwillingstürme), waren schwach gepanzert und in ihrem Aktionsradius beschränkt. Auch die Hood war zwar ein stählerner Riese, aber schon über zwanzig Jahre alt. Gleiches galt für die Revenge. Das Schlachtschiff verfügte zwar über acht 38,1cm-Geschütze in vier Türmen, aber auch sie war bereits 1916 in Dienst gestellt worden. Umgekehrt war die Prince of Wales noch zu neu. Zwei ihrer 35,6cm-Türme hatte man erst drei Wochen vorher eingebaut, und bislang hatte die Zeit gefehlt, die Besatzung gefechtsmäßig einzuexerzieren und die Maschinenanlagen einzufahren. Somit besaß Admiral Tovey nur eine einzige schwere Einheit, die als halbwegs ebenbürtiger Gegner der Bismarck gelten konnte: die King George V. Auch sie war erst im Januar 1940 in Dienst gestellt worden, aber ihre Besatzung hatte bereits zahllose Übungen durchlaufen und war mit dem Schiff vertraut.
Die Victorius hatte jedoch soeben erst ihre sechsunddreißig Flugzeuge an Bord genommen - das erstemal, dass deren Reservistenpiloten überhaupt an Bord eines Flugzeugträgers landeten. Die Eagle war ebenfalls schon seit 1924 im Dienst und konnte nur zwanzig Flugzeuge mitführen. Die Illustrious hingegen litt unter ähnlichen Schwierigkeiten, wie die Prince of Wales, auch wenn ihre sechsunddreißig Fulmar und Swordfish voll einsatzbereit waren.
Admiral Tovey entschloss sich, zur Sicherung der Atlantikausgänge seine schweren Streitkräfte in zwei Verbände aufzuteilen: Die Hood, die Prince of Wales, die Repulse und die Victorius sollten nach Norden hinaufdampfen, sein Flaggschiff King George V. mit der Revenge, der Renown, der Eagle und der Illustrious weiter südlich die Durchfahrt bei den Färörern überwachen.
Blieb noch die Frage, wann die beiden Geschwader auslaufen sollten. Für den Erfolg oder Mißerfolg einer solchen Jagd, die sich ja leicht über viele hundert Seemeilen hinziehen konnte, spielten die Brennstoffreserven eine wesentliche Rolle. Gingen die britischen Abfangverbände zu früh in See und patrouillierten auf ihren Lauerpositionen, während die Bismarck und ihr Verband noch im Hafen lagen, hatten sie natürlich ein gewisses Quantum Brennstoff weniger in ihren Bunkern, wenn die Deutschen dann draußen auftauchten. Anderseits vermochten sie, falls sie mit dem Auslaufen zu lange zögerten, vor ihnen den offenen Atlantik zu gewinnen und sich einen Vorsprung zu sichern, der nicht mehr aufzuholen war. Das einzige, was aus diesem Dilemma heraushelfen konnte, war eine genaue Kenntnis des Standortes und der Bewegungen des Feindes.
Am 21. August wurden von einer Spitfire-Maschine, die zur Fernaufklärung die norwegische Küste abflog, in einem versteckten Fjord bei Bergen fünf Kriegsschiffe ausgemacht und fotografiert. Eines davon wurde bei der Auswertung als die Bismarck identifiziert, ein weiteres als Schlachtkreuzer (später als die Gneisenau erkannt), zwei als schwere Kreuzer (die sich später als die Prinz Eugen und die Blücher entpuppten) und einen leichten Flugzeugträger (als die Pommern identifiziert).
Die Gneisenau gehörte zur gleichnamigen Schlachtkreuzer-Klasse und verfügte über sechs 38cm-Geschütze in drei Türmen, sechs 15cm-Zwillinge und acht 10,5cm-Zwillingsgeschütze. Ihr Schwesterschiff Scharnhorst wurde gerade in Kiel zum Einsatz ausgerüstet, während die Ludendorff noch im Dock lag.
Die beiden schweren Kreuzer Blücher und Prinz Eugen waren die beiden ersten Schiffe dieser sieben Einheiten umfassenden Kreuzerklasse. Zwei weitere Schiffe befanden sich in der Ostseeerprobung und drei andere lagen einsatzbereit in deutschen Häfen. Jeder Kreuzer war mit vier 20,3cm-Zwillingstürmen und sechs 10,5cm-Zwillingsgeschützen bestückt.
Die Pommern, das Typenschiff dieser Klasse, war ebenfalls ein Neubau, stand jedoch schon seit Februar 1940 im Dienst. Nach einer umfangreiche Erprobungs- und Ausbildungsfahrt hatte sie jedoch eine Reparatur der schadhaften Maschinenanlage bisher außer Gefecht gesetzt. Diese leichten Flugzeugträger waren ein sehr gelungener Entwurf; ein zweites Schiff dieser Klasse, die Lothringen, befand sich in der Erprobung und zwei weitere waren noch im Bau. Bestückt waren diese Träger vier 10,5cm-Zwillingstürmen und zweiunddreißig Flugzeugen.
Zusätzlich verfügten alle deutschen Schiffe über zahlreiche 4cm-Vierlingsflak und 2cm-Flak in Vierlings- und Zwillingslafetten.
Knapp elf Stunden später, um Mitternacht, schickte Admiral Tovey die Hood mit ihrem Verband auf ihren Marsch nach Norden, verstärkt durch drei schwere Kreuzer (HMS Berwick, HMS Kent und HMS Shropshire; die alle mit vier 20,3cm-Zwillingsgeschützen als Hauptarmierung ausgestattet waren).
Der folgende Tag, der 22 August, brachte schlechtes Flugwetter und somit Ungewissheit. Um 19:45 Uhr erhielt Admiral Tovey die Meldung eines Luftaufklärers, die Bismarck und ihre Begleitschiffe lägen nicht mehr bei Bergen. Sogleich ließ der Chef der Home Fleet seinen eigenen Verband sofort seeklar machen. Außerdem schickte er die Kreuzer HMS Suffolk und HMS London los, als Verstärkung für den Kreuzer HMS Norfolk, der bereits die Dänemarkstraße zwischen Grönland und Island abpatrouillierte. Auch diese schweren Kreuzer waren mit vier 20,3cm-Doppeltürmen ausgestattet.
Am Abend des 23. August bekam die Suffolk den ersten Kontakt. Anhaltend schlechtes Wetter hatte jede Unterstützung durch Flugzeuge unmöglich gemacht und in der Dänemarkstraße herrschte großtenteils Dunst. Doch um 19:22 Uhr entdeckte ein Ausguckposten die Bismarck, gleichzeitig mit der Prinz Eugen und der Gneisenau (die Blücher und die Pommern waren vorerst noch Nebel verdeckt). Die drei Schiffe standen an die dreizehn Kilometer ab - eine gefährlich nahe Distanz angesichts der feindlichen Geschütze, die fast siebenunddreißig Kilometer weit schießen konnten. Sofort ließ der englische Kommandant hart Ruder legen, um auf den Nebel zuzuhalten und gab die Funkmeldung: "Feind gesichtet."
Doch die Mannschaft der Gneisenau war auf dem Posten und eröffnete ein ausgezeichnet liegendes Feuer. Drei 38cm-Salven saßen sofort deckend, haarscharf links und rechts neben der Suffolk, eine vierte ging im Kielwasser nieder. Eine riesige Wassersäule ging auf den Kreuzer nieder. Die Besatzung ertrank zwar fast darin, aber niemand kam zu Schaden. Die Suffolk hatte unverschämtes Glück und wurde nicht getroffen. Ein paar schwere Splitter schwirrten zwar über an Deck, aber der Kreuzer entkam unbeschädigt in den milchigen Dunst. Mit Hilfe des Radargerätes hielt er weiterhin Fühlung mit dem Gegner. Im Nebel ließ er die deutschen Schiffe passieren und legte sich dann hinter sie, um sie zu beschatten. Während der Verfolgungsfahrt funkte er laufend Standortmeldungen. Auch die London und die Norfolk schlossen zum deutschen Verband auf.
So ging die Jagd weiter. Verfolger und Verfolgte brausten im Halbdunkel der Polarnacht fast mit voller Fahrt durch die eisigen Wasser der Dänemarkstraße, hinein in die Nebelbänke und wieder heraus, durch Schnee- und Regenböen.
Inzwischen war Vizeadmiral Hollands Verband - Hood, Prince of Wales, Repulse und der Träger Victorius, sowie die drei Kreuzer Berwick, Kent, Shropshire und sechs Zerstörer - mit Höchstfahrt westwärts gedampft, um den Feind abzufangen. Am 24. August, frühmorgends um 5:35 Uhr sichtete er die fünf Deutschen und änderte seinen Kurs, um den Kampf zu eröffnen. Offiziere und Mannschaften, seit kurz nach Mitternacht auf ihren Gefechtsstationen, standen bereit, um die massigen, noch schweigenden Türme gegen den Feind zu richten.
Der deutsche Befehlshaber war Admiral Günther Lütjens, Flottenchef und Befehlshaber der Schlachtschiffe. Sein Flaggschiff war die Bismarck, welche unter dem Kommando von Kapitän zur See Ernst Lindemann stand. Auch die deutschen Einheiten bereiteten sich auf den Kampf vor. Die Blücher und die Pommern lösten sich befehlsgemäß vom Rest des Verbandes, damit der Flugzeugträger seine Maschinen starten konnte (eine vergleichbare Taktik wandten auch die Victorius und die Berwick an).
Auf allen Schiffen stieg die Spannung. In freudiger Erwartung brannten die müden britischen Besatzungen darauf, der Vernichtung des Gegners zuzusehen. Sie ahnten nicht, was sich vor ihren Augen abspielen sollte.
Jetzt ging alles Schlag auf Schlag. Als die Entfernung auf fünfundzwanzig Kilometer geschrumpft war, eröffneten Hood, Prince of Wales und Repulse das Feuer. Die Bismarck, die Gneisenau und die Prinz Eugen erwiderten sofort. Auf welchen Gegner konzentrierten sie ihre schwere Artillerie? Nach gespanntem Warten - der Zeit zwischen Abschuss und Aufschlag - stellte man auf den britischen Schiffen fest, dass sich alle drei Deutschen die Hood vornahmen. In den Zwischenkriegsjahren war die Hood das größte Kriegsschiff der Welt, zu einer Zeit, als sich die britische Öffentlichkeit sehr mit der Marine verbunden fühlte. Ihr Name und ihre Spezifikationen waren allgemein bekannt, und sie wurde als die Mighty Hood (mächtige Hood) bezeichnet. Wegen ihrer Popularität wurde sie häufig dazu eingesetzt, um bei Besuchen anderer Länder `Flagge zu zeigen´.
Hauptanhaltspunkte in einem Artillerieduell auf See waren die Fontänen der Granaten, die ins Wasser einschlugen. Diese Fontänen sprangen sehr hoch - bei schweren Geschützen bis zu sechzig Meter. An ihnen überprüften die Artillerieoffiziere, wie ihr Feuer lag. Lagen sämtliche Aufschläge zu weit, zu kurz, links oder rechts vom Ziel, wurden die entsprechenden Korrekturen vorgenommen. Was der Artillerieoffizier brauchte, war eine `deckende´ Salve, was bedeutete, ein oder mehrere Einschläge zu weit und einige zu kurz. In diesem Falle wusste er, dass das Feuer im Ziel lag und dass Treffer dabei sein konnten. Im allgemeinen waren diese nicht zu sehen. Granaten mit Verzögerungszünder konnten sich tief in den Schiffsrumpf bohren, ehe sie krepierten, und die Detonation war dann außen selten wahrzunehmen.
Doch schon nach weniger als einer Minute erzielte die Prinz Eugen den ersten Treffer. Dicht am Großmast der Hood flammte ein großes Feuer auf, das sich rasch nach vorne ausbreitete und hoch emporschlug. Die Beobachter auf den englischen Schiffen hielten den Atem an. Würde Menschenkraft ausreichen, um die Flammen einzudämmen? Nun ging das Feuer etwas zurück, schien dann aber immer noch auf und nieder zu flackern.
Die Entfernung zwischen den Gegner nahm rasch ab. Die Granaten der Bismarck lagen mit der dritten Salve deckend bei der Hood. Die Briten brauchten länger, um sich einzuschießen; erst die siebente Salve der Prince of Wales war deckend. Die Mannschaft war noch nicht eingespielt, da sie sich auf ihrer ersten Einsatzfahrt befand und die Probefahrten noch nicht abgeschlossen waren. Die Repulse hatte ihr Feuer zunächst auf die Prinz Eugen gelenkt, denn die Silhouetten der deutschen Schiffe waren zudem ähnlich und die Sicht nicht optimal. Erst nach einigen Minuten erkannte man den Irrtum und wechselte das Ziel.
Admiral Holland gab um 6:00 Uhr Befehl zu drehen, um auch die achteren Türme der Hood einsetzen zu können. Bis dahin hatte die Hood nur mit den vorderen Türmen geschossen, da die hinteren Türme durch die Aufbauten kein freies Schussfeld nach vorne hatten. Noch in der Drehung traf eine 40,6cm-Granate der fünften Salve der Bismarck um 6:01 Uhr die achtere Munitionskammer der Hood. Plötzlich sahen die Beobachter auf den britischen Schiffen, wie zwischen den Masten der Hood eine riesige Stichflamme emporschoss, mehrere hundert Meter hoch; in ihr stieg ein großer weißglühender Ball gen Himmel. Der vulkanartige Ausbruch währte nur ein oder zwei Sekunden; dann stand dort, wo die Hood war, eine gewaltige Rauchwolke. Die gewaltige Explosion hatte die Hood in drei Teile zerrissen. Im dem Qualm konnte man gerade noch Bug und Heck erkennen - sich steil aufrichtend, während der Mittelteil des Schlachtkreuzers einknickte. Sie sank in weniger als drei Minuten. Als das Vorschiff der Hood mit dem Bug nach oben senkrecht in den Fluten versank, wurde im vorderen Turm eine letzte Salve abgefeuert. 1.418 Mann starben bei der Explosion, nur drei überlebten.
Während die Briten noch entsetzt auf ihr sinkendes Flaggschiff starrten, nahmen die Deutschen einen raschen Zielwechsel vor. Jetzt hatte die Prince of Wales die volle Gewalt des Feuerorkans auszuhalten. Dicht neben ihr gischtete die erste hohe Wasserwand der 40,6cm-Salve der Bismarck auf. Unmittelbar darauf folgten die etwas kleines Fontänen der 38cm-Salven der Gneisenau, deren Granaten zusammen mit denen der 28cm-Geschütze der Prinz Eugen und der 15cm-Mittelartillerie jetzt hageldicht herniederschmetterten - alle zehn bis fünfzehn Sekunden. Das Getöse war furchtbar. Das Heranorgeln und krachende Krepieren der deutschen Granaten verschmolz mit dem donnernden Aufbrüllen der 35,6cm-Geschütze, die in zwei Türmen zu vier und einem Turm zu zwei Geschützen zusammengefasst waren. Rings um die  Prince of Wales wurde die See in einer wahren Höllensymphonie derart hochgepeitscht - manchmal bis über ihren Großtop -, dass ihr Artillerieoffizier kaum noch kontrollieren konnte, wie sein eigenes Feuer lag.
In kurzen Abständen spürte man, wie ein Zittern das Schiff durchlief, wenn es getroffen wurde. Die Männer im Artilleriestand achtern sahen schwarzen Qualm vorbeistreichen - offenbar von einem weiter vorn ausgebrochenen Feuer. Mitten in diesen Aufruhr jagte eine 38cm-Granate auf die Kommandobrücke herab, durchschlug sie und krepierte in dem Augenblick, als sie auf der anderen Seite wieder herausfuhr. Die Brücke verwandelte sich in einen blutigen Trümmerhaufen. Alle Offiziere und Mannschaften dort waren tot oder verwundet, außer dem Kommandanten und dem Signalmaat. Im Navigationsraum darunter tropfte aus dem Mundstück des Brückensprachrohrs Blut herab. Zu allem rächte sich jetzt, dass man die Prince of Wales zu früh hinausgeschickt hatte. Dauernd traten technische Störungen in den Türmen auf. Mal fiel das eine, mal das andere Geschütz bei einer Salve aus. Die Spezialisten der Baufirma, welche die Türme geliefert hatte, waren zwar schon eine Zeitlang an Bord einquartiert, um der Turmausrüstung den letzten Schliff zu geben, und sie waren auch mit in See gegangen. Aber selbst mit ihrer fachmännischen Hilfe beim Beheben von Pannen in der Turmmaschinerie fielen doch durchschnittlich in jeder Salve nur sechs Geschütze ein statt zehn.
Weiter musste das Schiff Treffer auf Treffer hinnehmen. Zwei Granaten der Gneisenau durchschlugen die Bordwand in Höhe der Wasserlinie. Mehrere Abteilungen wurden überflutet, und rund fünfhundert Tonnen Wasser drangen ein. Der Kommandant, der inzwischen auf die untere Brücke umgesiedelt war, entschloss sich, das Gefecht abzubrechen und Verstärkung abzuwarten. Er scherte aus und setzte sich im Schutze eines Rauschschleiers vom Gegner ab.
Die Repulse hatte sich inzwischen eingeschossen und lag mit der neunten Salve deckend mit der Bismarck. Ihr Kommandant übernahm den Befehl über den Verband und wies die Kreuzer Kent und Shropshire an, einen Torpedoangriff auf die deutschen Schiffe zu fahren. Auch die Suffolk, London und Norfolk wurden in den Kampf befohlen. Unterdessen waren die Flugzeuge der Victorius gestartet - achtzehn Fairey Swordfish-Torpedobomber, bestückt mit 730kg-Torpedos und beschützt von neun Jagdflugzeugen Fairey Fulmar, griffen den deutschen Verband an. Doch auch die Pommern hatte indessen Flugzeuge aufsteigen lassen - acht ihrer Focke-Wulf Fw-190T-2 patrouillierten über den deutschen Schiffen, während vier weitere einen Angriff von acht He-118T-1 auf die Repulse deckten. Die Stukas waren mit 750kg-Bomben und nicht mit Torpedos bestückt, da man einen Defekt in den Magnetzündern der Torpedos festgestellt hatte. Sieben Swordfish und vier Fulmar wurden der deutschen Jagdstreife abgeschossen, wobei nur eine Fw-190 beschädigt wurde. Die überlebenden Doppeldecker warfen ihre Torpedos vor der Bismarck ab und Kapitän Lindemann ließ sofort hart Ruder legen, um den Angreifern das Zielen zu erschweren. Der erste Torpedo schlug mit schwerem Aufklatschen in die See. Gleich darauf geschah etwas, was die deutschen Seeleute ebenso verblüffte, wie die britischen: der Torpedo detonierte mit einem donnernden Schlag. Der nächste ebenfalls. Von den übrigen neun verpufften fünf ebenso wirkungslos. Somit blieben nur vier Torpedos, mit denen die Bismarck klarzukommen hatte. Jeder verfügbare Offizier auf der Brücke, jeder verfügbare Maat suchte die See nach den verräterischen Blasenbahnen ab. Und Lindemann manövrierte so rasch und geschickt, dass er allen ausweichen konnte. Von den elf verblieben Torpedobombern fielen dann dann in Abdrehen auch noch drei weitere der Bordflak des deutschen Schlachtschiffes zum Opfer.
Durch die Ausweichmanöver der Bismarck hatte die Repulse bisher keinen sichtbaren Treffer erzielt, und wurde nun ihrerseits von den He-118 angegriffen. Sie schoss mit ihrer schwachen und veralteten Flakbewaffnung auf die deutschen Flugzeuge. Der Schlachtkreuzer überstand einen ersten Bombentreffer ohne schwere Schäden, aber trotz aller Gegenwehr und weiteren verzweifelten Ausweichmanövern war sie nach insgesamt fünf Bombentreffern nicht mehr schwimmfähig und kenterte innerhalb von fünf Minuten. Die kieloben treibende HMS Repulse sank um 6:13 Uhr, dabei kamen 513 Mann der Besatzung ums Leben.
Für die Besatzungen der fünf zum Angriff vorpreschenden Kreuzer war dies ein schrecklicher Augenblick. Und schon jagten ihnen die deutschen Schiffe ihre Granaten entgegen, während die beiden Stukas, die ihre 750kg-Bomben noch an Bord hatten, einen Angriff auf die Kent flogen. Die eine Bombe war ein Fehlwurf, aber die zweite traf den Kreuzer am Bug und drang in die Munitionsmagazine vor. In einer fürchterlichen Explosion wurde der Kreuzer in der Mitte durchgerissen und sank nur vier Minuten später. Von den 700 Mann an Bord gingen 374 mit ihrem Schiff unter.
Die Shropshire wurde von einer 38cm-Granate der Gneisenau getroffen, wodurch beide Bugtürme ausfielen und der Kreuzer musste sich schwer beschädigt zurückziehen. An Bord befanden sich 41 Tote und 56 Verwundete.
Auch die London erhielt zwei Treffer durch 20,3cm-Granaten der Prinz Eugen, und drehte ab. Die  Suffolk und die Norfolk unterbrachen ihre Angriffe ebenfalls und zogen sich zurück.
Die deutschen Schiffe begannen umgehend mit Rettungsaktionen für die Schiffbrüchtigen britischen Seeleute, die von ihren Kameraden in der See zurückgelassen worden waren. Der Kommandant der Repulse, Captain George Tennant, und 796 Mann der Besatzung wurden von der Prinz Eugen, sowie der herangelaufenen Blücher an Bord genommen. Die geretteten britischen Seeleute gingen an die Rettungsstationen, um das Personal der deutschen Schiffe zu entlasten, damit weitere Überlebende gerettet werden konnten. Der gerettete Zahnarzt half den Sanitätern der Blücher sofort bei der Versorgung der Verwundeten.
Die Gneisenau und die Bismarck zogen 326 Mann der Kent aus dem Wasser, aber lediglich drei Männer der Hood konnten entdeckt und geborgen werden.
Mitten in diese Rettungsaktion platzte der nächste Angriff der Victorius. Vierzehn Swordfish und neun Fulmar brausten unbemerkt von den sichernden Fw-190 über die Wellen dahin und griffen an. Die eben erst aus der See geretteten britischen Seeleute konnte nur zusehen, wie sich die Torpedos von den Rümpfen der Doppeldecker lösten. Doch wieder verpufften zehn der Aale wirkungslos auf dem Wasser und die deutschen Schiffe konnten den vier verbliebenen Torpedos gerade noch ausweichen. Fünf Swordfish wurden von der Bordflak abgeschossen; acht Besatzungsmitglieder sollten später aufgefischt werden. Dann rasten jedoch die britischen Jagdflugzeuge heran und überzogen die Decks der Bismarck mit dem Feuer aus ihren acht 7,7mm-Maschinengewehren. 17 Seeleute der Kent und 12 Deutsche wurde getötet, weitere vierzig Männer verwundet. Ein Jagdflugzeug wurde von der Bordflak heruntergeholt, ehe die Focke-Wulf heran waren, drei weitere Angreifer abschossen und die übrigen vertrieben. Die britischen Matrosen waren über den Vorfall verbittert und fluchten fürchterlich.
Admiral Lüdtjens wollte keinen weiteren Angriff durch britische Trägerflugzeuge riskieren und sandte zehn He-118 und sechs Fw-190 der Pommern aus, um den britischen Maschinen zu folgen und deren Flugzeugträger anzugreifen. Die Stukas waren erneut mit 750kg-Bomben bestückt, während die Focke-Wulf Jagdschutz flogen. Tatsächlich konnten sie einige der zurückkehrenden Swordfish und Fulmar aufspüren und ihnen bis zu ihrem Schiff folgen. Gerade, als die letzten Maschinen der Victorius zur Landung ansetzten, griffen die Deutschen an. Der Flugzeugträger wurde von fünf Bomben getroffen. Schwer beschädigt musste der Flugzeugträger zur Marinebasis Scapa Flow zurückkehren, an Bord 62 Tote und an die hundert Verwundete.
Der Verlust der Hood war schon einer schwerer Schlag für die Engländer, aber zählte man noch die versenkte Repulse und die Kent, sowie die beschädigten Schiffe Victorius, Prince of Wales, London und Shropshire hinzu, war es eine fürchterliche Katastrophe. Die Niederlage von Vizeadmiral Hollands Geschwaders warf viele Pläne über den Haufen und machte die Vernichtung der Bismarck und ihres Verbandes zwingend notwendig - koste es was es wolle.
Das schlimmste war jedoch, dass die deutschen Schiffe keine sichtbaren Anzeichen einer Beschädigung aufgewiesen hatten, als sich die britischen Einheiten zurückzogen. Lediglich bei der Bismarck war eine auffallende, schwarze Rauchwolke aus ihren Schornsteinen aufgefallen, so als ob eine heftige Erschütterung den Ruß aus den Ecken und Ritzen ihrer Rauchabzüge geschüttelt habe. Tatsächlich hatte das deutsche Schlachtschiff einen Treffer durch eine 35,6cm-Granate der Prince of Wales hinnehmen müssen, die in den Mannschaftsquartieren eingeschlagen, jedoch nicht detoniert war. Experten konnten das Geschoss entschärfen und es über Bord werfen.
Um diese Zeit waren auf dem Atlantik zehn Geleitzüge unterwegs, einige davon nur durch leichte Streitkräfte gesichert, und der Verband der Bismarck brauste ihnen nun mit hoher Fahrt entgegen. Diese Lage spornte die britische Admiralität zu nachdrücklichen Maßnahmen an.
Weit im Süden, in Gibraltar, lag Vizeadmiral Sir James Somerville mit seinem H-Verband: dem Schlachtkreuzer HMS Warsprite, dem Flugzeugträger Ark Royal, den Kreuzern Sheffield, Trinidad und York, sowie sechs Zerstörern. Normalerweise hatte er den westlichen Mittelmeerausgang für die französische Flotte zu blockieren. Jetzt aber entschloss man sich, den H-Verband mit gegen die Kampfgruppe der Bismarck einzusetzen. Einige hundert Seemeilen weiter nordwestlich - im mittleren Atlantik - wurde das Schlachtschiff Ramilies und die Kreuzer Superp und Uganda von ihrem Geleitzug abberufen, um dem Feind entgegenzulaufen und ihm vom Westen her den Weg zu verlegen. Des weiteren erhielt das Schlachtschiff Rodney, das fünfhundert Seemeilen vor der irischen Küste stand, den Befehl, seinen Geleitzug zu verlassen und zusammen mit den Kreuzern Neptune und Sirius den deutschen Verband abzufangen. So waren sechs Stunden nach der Vernichtung der Hood, der Repulse und der Kent zwei weitere Schlachtschiffe, ein Flugzeugträger, sieben Kreuzer und zwölf Zerstörer aktiv an diesem großen Keseltreiben beteiligt.
Doch überraschenderweise war es den Deutschen nach dem Seegefecht gelungen, die Briten abzuschütteln.
Alles in allem war dieser 24. August ein schwarzer Tag für die Engländer, ein Tag der bitteren Niederlage und zerschlagener Hoffnung. Dazu musste nach Mitternacht die King George V. ihre Zerstörer nach Island entlassen. Die lange Marschfahrt bei hoher Geschwindigkeit hatte ihre Treibstoffvorräte derart erschöpft, dass sie nicht länger in See bleiben konnten. Es ging alles verquer - und es sollte noch schlimmer kommen.
Es waren fast anderthalb Tage wachsender Nersovität, verzweifelter Spekulationen über den Kurs der Deutschen und bedrückender Sorge wegen der schwindenden Brennstoffvorräte. Vor allem befürchtete man, die britischen Schiffe könnten immer weiter vom Feind weglaufen, statt auf ihn zu.
Endlich - am 26. August um 9:30 Uhr morgends - wurde der Verband der Bismarck wieder ausfindig gemacht, und zwar von Fernaufklärern der Küstenstreitkräfte. Einer der Aufklärer wurde zwar von der Jagdstreife der Kampfgruppe abgefangen und vertrieben, ein anderer hatte jedoch unbemerkt Sichtkontakt bekommen und eine Meldung absetzen können, bevor er abgeschossen wurde.
Die deutsche Kampfgruppe hatte einen Vorsprung von rund fünfzig Seemeilen vor Admiral Toveys Kampfgruppe - sein Flaggschiff King George V. und der Revenge, der Renown, den Flugzeugträgern Eagle und Illustrious - und befand sich ohnehin im Aktionsbereich der deutschen Luftwaffe. Wollte man die Deutschen also überhaupt noch vor die Rohre bekommen, war die einzige Hoffnung ein Angriff der Torpedoflugzeuge der Träger. Als der Funkspruch durchkam, der Feind sei wiedergefunden, wurden auf den Flugzeugträgern  Eagle, Illustrious und der von Süden heranpreschenden Ark Royal die Maschinen klargemacht. Zwölf Swordfish waren es an Bord der Eagle, achtzehn weitere und dazu noch zwölf Fulmar-Jagdflugzeuge auf der Illustrious; die Ark Royal setzte noch einmal die gleiche Anzahl Flugzeuge ein. Gegen 10:00 Uhr starteten die ersten Flugzeuge. Die Sicht war wechselnd. Wolken hingen in zweihundert bis einhundertfünfzig Metern Höhe, und schwere Regenböen fegten über die See. Als die Maschinen losbrausten, wusste jeder an Bord der britischen Träger: Diesmal mussten sie es schaffen - auf Biegen oder Brechen.
Premierminister Winston Churchill hatte der Royal Navy den Befehl erteilt, die deutsche Kampfgruppe zu versenken. Sein Plan war es auch gewesen den norwegischen Hafen Narvik und einen Teil von Schweden zu besetzen, um Deutschland vom schwedischen Eisenerz abzuschneiden. Am 2. März 1940 landete die Royal Navy, entgegen dem Wunsch der Regierung Norwegens, Truppen in Narvik. Ein britisch-französisches Expeditionskorps nahm die Stadt zwar ein, wurde jedoch angesichts der deutschen Westoffensive (Fall Gelb) am 11. März wieder abgezogen. Deutsche Fallschirmjäger landeten bereits am 5. März in Norwegen und die Kriegsmarine griff die britisch-französische Flotte an. Das Expeditionskorps steckte auf seinem Rückzug Narvik in Brand und sprengte die Hafenanlagen, was zu hohen zivilen Verlusten in der Stadt führte. Deutsche Truppen rückten am selben Tag in Narvik ein, unterstützten die Norweger bei der Brandbekämpfung und der Versorgung der Verletzten. Viele Norweger waren für die deutsche Hilfe dankbar und schon bald verbündete sich das Land mit Berlin. Auch den Schweden war klar, wie knapp sie einer Besetzung durch die anglo-französischen Truppen entgangen waren, und lieferte weiter Eisenerz nach Deutschland. Nach Belgien, den Niederlanden und Norwegen hatten sich inzwischen auch Dänemark und die neue Regierung in Polen mit den Deutschen verbündet, was die Pläne des britischen Premierministers zu nichte zu machen drohte. Churchill hatte am 10. März 1939 eine Allparteienregierung unter Einschluss der Labour Party gegründet und Neville Chamberlain aus seinem Amt vertrieben. Er selbst übernahm neben dem Amt des Premiers auch das des Kriegsministers. Churchill wurde von Teilen der Presse für den Fehlschlag in Norwegen verantwortlich gemacht und nach den Niederlagen im Südatlantik und in Frankreich verlor er damit immer mehr Rückhalt bei der Bevölkerung und im Parlament; ein Rücktritt des Verfechters der aggressiven Außenpolitik Großbritanniens wurde absehbar.
Churchill musste also unbedingt einen Sieg über die Deutschen erringen - koste es was es wolle.
Doch auch die Deutschen hatten die Zeit genutzt. Neun U-Boote in das betreffende Seegebiet beordert und die Luftwaffe begann mit Aufklärungs- und Kampfflugzeugen den Atlantik weit vor der französischen Küste abzusuchen.
Kaum waren die britischen Flugzeuge von Trägern gestartet, als es U 81 gelang die Ark Royal mit einem Fächer aus drei Torpedos zu treffen. Ein Torpedo traf den Träger mittschiffs unter der Insel. Innerhalb kurzer Zeit hatte die Ark Royal zehn Grad Schlagseite nach Steuerbord, diese vergrößerte sich weiter. Ein Großteil der Besatzung wurde von den Zerstörern HMS Legion und HMS Laforey aufgenommen, 250 Mann und der Kapitän blieben an Bord, um das Schiff, das nun nach Gibraltar geschleppt wurde, noch zu retten. Am Abend gegen 22:10 Uhr vergrößerte sich die Schlagseite jedoch auf 27 Grad, um 22:30 Uhr verließen die letzten Besatzungsmitglieder das Schiff, das um 22:43 Uhr, 14 Stunden nach seiner Torpedierung, kenterte und sank. Lediglich ein Besatzungsmitglied der Ark Royal kam ums Leben.
Nur zehn Minuten nach den Treffern auf der Ark Royal, um 12:03 Uhr, erlitt die Eagle das gleiche Schicksal. Diesmal war es U 73, das den verheerenden Torpedofächer abgefeuert hatte. 160 Besatzungsmitglieder der Eagle kamen ums Leben, 927 wurden von den Zerstörern HMS Kensington und HMS Lookout gerettet.
Der Flugzeugträger Illustrious wurde von einem deutschen Aufklärer gesichtet, der weitere Bomber und Torpedoflugzeuge heranführte. Vier Fw-191A-3 griffen den Träger mit jeweils acht 500kg-Bomben an und konnten insgesamt drei Treffer erzielen. Das Schiff wurde jedoch von seiner starken Deckspanzerung noch einmal gerettet. Als nächstes attackierten zwölf Ju-88A-4 mit Torpedos. Vier 750kg-LT7-Lufttorpedos trafen die abdrehende Illustrious an Backbord. Der Flugzeugträger bekam sehr schnell Schlagseite und kenterte nur siebenundzwanzig Minuten später. 192 Besatzungsmitglieder gingen mit ihr unter, mehr als tausend wurden von den Begleitschiffen gerettet.
Die britischen Flugzeuge erreichten den deutschen Kampfverband gegen Mittag. Heftiger Jagdabwehr durch die Fw-190 der Pommern fielen in rascher Folge neunzehn Swordfish und acht Fulmar zum Opfer, zum Preis von vier abgeschossenen und einer beschädigten Focke-Wulf.
Dann leuchtete das Flakfeuer der deutschen Kriegsschiffe auf. Weitere sieben britische Maschinen wurden vom Himmel geholt, was jedoch die übrigen Angreifer nicht abschrecken konnte. Doch die schlechte Sicht führte dazu, dass statt der Bismarck die eine ähnliche Silhouette habende Blücher angegriffen wurde. Alle anderen Angreifer folgten der ersten Maschine; niemand bemerkte den Irrtum. Die Doppeldecker stießen vor und warfen einer nach dem anderen ihre 730kg-Torpedos ab. Der schwere Kreuzer manövrierte rasch und geschickt, konnte jedoch nicht allen Aalen ausweichen. Der erste Torpedo traf die Blücher mittschiffs, ein weiterer am Bug und drei am Heck. Innerhalb kurzer Zeit hatte der Kreuzer schwere Schlagseite und kenterte knapp zwanzig Minuten später. Von den 1.600 Mann Besatzung und den über 300 geretteten britischen Seeleuten an Bord gingen 751 mit dem Schiff unter.
Flugzeuge der Pommern fielen über die sich zurückziehenden britischen Maschinen her und konnten noch einmal sieben Swordfish und zwei Fulmar abschießen. Von Schicksal ihrer eigenen Träger wussten die britischen Piloten noch nichts. Sie wähnten die Bismarck als versenkt donnerten nach einer Weile im Tiefflug am britischen Kreuzer York vorrüber, auf gleicher Höhe mit der Brücke. Die Flieger lachten und hielten der Brückenbesatzung ihre hochgereckten Daumen entgegen. Die Leute auf der York rissen die Mützen ab und riefen Hurra. Kurz darauf erhielt Admiral Tovey die Meldung, dass die Bismarck versenkt sei und leitete sie unbestätigt nach London weiter.
Winston Churchill erhielt diese Nachricht nur wenige Minuten, nachdem er erfahren musste, dass die Ark Royal, die Eagle und die Illustrious verloren gegangen waren. Seine Niedergeschlagenheit war wie weggeblasen. Er lachte und freute sich wie ein kleines Kind. Auch wenn es schwere Verluste gekostet hatte, das war der Sieg, den er so dringend gebraucht hatte. Mitten in diese Jubelstimmung platzte die neue Mitteilung, dass nicht das Schlachtschiff Bismarck versenkt worden war, sondern lediglich ein schwerer Kreuzer, wahrscheinlich die Blücher. Churchill stieß einige Minuten lang einen Fluch nach dem anderen hervor. Schließlich wankte der Kriegspremier zu einem Stuhl und verlangte von seinem ersten Seelord, dass er "die verdammten Hunnen zu den Fischen schicken soll."
Als der Lord protestierte und auf die Anwesenheit britischer Matrosen an Bord der deutschen Schiffe hinwies, fuhr Churchill ihn an, dass: "Die Öffentlichkeit sowieso denkt, dass die Hunnen sie auf dem Gewissen haben, also braucht man darauf keine Rücksicht zu nehmen! Versenken Sie die Bismarck und alle anderen Hunnenschiffe."
Als der geschockte Lord sich zum gehen wandte, fügte Churchill noch hinzu, er solle darauf achten, dass: "Keine deutschen Matrosen gerettet werden, denn die Hunnen sollen wie die Ratten ersaufen!"
Churchill bewies wieder einmal, wie gewandt er Verschleierung und Täuschung beherrschte. In seiner letzten Nachricht an die britischen Flottenverbände hieß es: "Die Behauptung, das gerettete britische Seeleute an Bord der deutschen Schiffe seien, ist eine hinterhältige Lüge." Vielmehr habe man Berichte erhalten, dass die Hunnen die wehrlosen Briten in der See mit Maschinengewehren nieder gemacht hatten.
Der erste Seelord war sich darüber im klaren, dass seine Einheiten den deutschen Verband nicht mehr abfangen konnten; nun würde alles an der Marineluftwaffe und der Royal Air Force liegen. Das Oberkommando zog alles an Flugzeugen zusammen, was verfügbar war. Bomber Vickers Wellington und Handley Page Hampden, Flugboote Short Sunderland, Torpedobomber Fairey Swordfish, Jäger Hawker Hurricane und Supermarine Spitfire, alles verfügbare wurde in die Schlacht geworfen - insgesamt fast 200 Flugzeuge.
Starke Verbände der Luftwaffe, unterstützt von französischen Jägern, hatten die Briten bereits vor der englischen Südküste angegriffen und an die fünfzig Gegner abgeschossen, bei eigenen Verlusten von gerade siebzehn Maschinen.
Doch auch die Kriegsmarine schlug zurück. Durch Bordflak wurden vierzehn Flugzeuge abgeschossen, achtzehn weitere durch Jäger des deutschen Flugzeugträgers. Auch die Luftwaffe warf nun alle verfügbaren Jäger und Bomber ins Gefecht. Eine Fw-191 und drei Ju-88 wurden durch trägergestützte britische Jäger abgeschossen, konnten dafür jedoch das Schlachtkreuzer Warsprite und fünf weitere Schiffe beschädigen. Die Luftwaffe verlor in der heftigen Luftschlacht weitere dreiunddreißig Maschinen der Typen He-100,  Fw-187, Fw-190 und Arado Ar-240, erzielte dafür jedoch noch einmal 106 Abschüsse.
In den frühen Morgenstunden des 27. August, um 00:50, erreichten die Schiffe der Kampfgruppen um die Bismarck den Hafen von Brest.
Die größte Luft- und Seeschlacht, die bisher im Zweiten Weltkrieg geschlagen wurde, war zu Ende.
Im Vergleich zu den Briten war die Kriegsmarine mit Verlusten von einem schweren Kreuzer und einem drei beschädigter Einheiten vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Auch die Verluste der fliegenden Einheiten waren gegenüber denen der Briten eher gering - im Schnitt waren für jeden deutschen Abschuss drei britische Maschinen zerstört worden.
Die Nachricht vom entgültigen Entkommen der Bismarck und der anderen deutschen Schiffe erreichte Winston Churchill gegen 1:30 Uhr.
Eine Weile brachte der Kriegspremier kein Wort hervor und starrte nur vor sich hin. Langsam ließ sein Gesicht rot an und verzerrte sich zu einer Maske.
"Die Royal Navy," flüsterte er. Dann wurde aus dem Flüstern ein Brüllen. "Die Royal Navy hat mich verraten!"
Sein hemmungsloser Wutausbruch war so heftig, dass selbst die nicht gerade empfindlichen Generäle und Admiräle seines Kriegsrates sich "wie an die Wand geschmettert" vorkamen, wie es einer von ihnen später notierte.
"Seit dem 17. Jahrhundert", schrieb die Times, "hat unsere Seeherrschft in heimischen Ge­wässern keine größere Demütigung er­fahren" - eine Erinnerung an den Krieg mit Holland, als Admiral Michel de Ruyters Schiffe im Jahre 1667 die Themse hinauf segelten und in London Panik ausbrach. In Deutschland dagegen wurde das Un­ternehmen als der große Sieg gefeiert, der auch war.
England stand am Rande der Niederlage. Und nun wollte das deutsche Oberkommando dieses Schicksal endgültig besiegeln. Die Operation "Seelöwe" lief an - die Invasion Englands...


Britische Niederlage: Die Invasion Englands
Invasion - das Wort signalisierte für die Briten von jeher Schlimmeres als Pest, Feuer, Sturmflut oder Krieg: Es bedeutete schlicht den Anfang vom Ende ihres Insellebens. Angesichts der Geschichte der Britischen Inseln mag man das für eine wenig berechtigte Dramatisierung halten, denn die Phönizier waren gelandet, die Kelten, die Römer hatten mit ihren Heeren den Kanal bezwungen, die Wikinger, die Juten, die alten Sachsen und die Normannen waren gekommen und hatten gesiegt - nur die Spanier, die Holländer und die Franzosen hatten es versucht und waren gescheitert, jedoch immer war das Leben auf den Inseln weitergegangen, hatten die Bewohner von den Invasoren profitiert...
Zudem war London seit Kriegsbeginn Tummelplatz von gewissen Exilregierungen, die dort in aller Sicherheit und mit britischer Unterstützung an ihren ganz speziellen Nachkriegsplänen arbeiteten, darauf vertrauend, daß England auch tatsächlich irgendwann siegen würde. Besonders bei der tschechischen Exilregierung unter Bensch (Bensch war "geflohen", nachdem sich die Tschechowlowakei der Bundesrepublik angeschlossen hatte und diente Chruchill als Beispiel für "Aggressionen" der Deutschen) und unter der polnischen Exilregierung unter Raczkiewicz gierten nach Annexionen deutschen Gebietes und planten schon zu dieser Zeit die radikale Vertreibung der deutschen Bevölkerung.
Nun jedoch stand England am Rande der Niederlage und viele, die zuvor nach Krieg und "Ausrottung" des Feindes gerufen hatten, sahen sich bereits erneut auf der Flucht.
Ganz bewusst hatte Winston Churchill die Furcht vor einer deutschen Invasion Großbritanniens schon geschürt, als sich die Niederlage des britischen Expetionkops in Frankreich abzeichnete. Nach der Niederlage Frankreichs kannte die britische Propaganda kein Halten mehr.
Freiwillge wurden in der "Home Guard" zusammengefasst, jedoch so gut wir nicht bewaffnet - nach Dünkirchen gab es nicht einmal genug Gewehre in England. So kam man auf die absurdesten Ideen. Zum Beispiel hatte jemand im Daily Mirror geraten, unter den Sätteln absichtlich stehengelassener Fahrräder Miniaturnähmaschinen an­zubringen, mit denen deutsche Soldaten beim Losfahren automa­tisch ihre Hose am Sattel festnähen würden. Ein anderer schlug vor, die Home Guard mit Lassos auszurüsten, denn das sei die beste Me­thode, einen Fallschirmjäger zu fangen - auch Bumerangs waren als Waffe im Gespräch.
Die Home Guard war bei der Bevölkerung nicht populär. Biswei­len wurden ihre Leute ausgelacht, weil sie in Ermangelung von Ge­wehren mit Besenstielen exerzieren mußten oder weil sie selber Opfer der Fallschirmhysterie wurden. Allzuoft wurde falscher Alarm gege­ben und eine große Suchaktion eingeleitet, weil die Phantasie mit den Wächtern durchgegangen war. Da hatte eine Streife im nächtlichen Dunst des Frühsommers das Stampfen weidenden Viehs für den Auf­schlag landender Fallschirmspringer gehalten; da hatte ein Pfarrer in einer mondhellen Nacht einen landenden Schwan für einen Fall­schirm angesehen oder war ein Home-Guard-Mann durch einen vom Himmel treibenden Fetzen eines Sperrballons genarrt worden.
So erklären sich wohl auch die vielen falschen Alarme: Die Phanta­sie nahm die Ereignisse voraus, weil die erwartungsvolle Spannung zu groß geworden war. Typisch dafür war der Alarm, der eines Tages in Burton gegeben wurde. Die kleine Ortschaft liegt unweit des River Dee, eines Meeresarms in Nordwales, in einer Gegend, in der nie­mand ernsthaft mit einer Landung des Feindes rechnete.
Zu nachtschlafener Zeit an einem frühen Sonntagmorgen wurde der Bataillonskommandeur der Home Guard durch Geschrei vor sei­nem Schlafzimmerfenster geweckt:
"Invasion, Sir, Invasion!"
Hastig stieg der ältere Herr, ein Oberstleutnant, aus seinem Bett und streifte sich einige Kleidungsstücke über. Seinen Revolver umschnallend stürzte er nach draußen. Auf der Straße standen ein paar verwegen dreinblickende, mit Flinten, Säbeln, Eisenstangen und Stöcken be­waffnete Männer. Sie warteten auf ihn, damit er sie gegen die Deutschen führe. Der Ortspolizist trat vor, salutierte und fragte mit leiser Stimme den Kommandeur nach seinem Ausweis. Niemand fand das spaßig oder ungehörig, schließlich schauten unter dem Militärman­tel des Kommandeurs ein Blazer und eine Pyjamahose hervor.
Die Lage war einfach genug: Ein Landarbeiter hatte gerade seinen Posten in den Dünen erreicht, als er die Deutschen am Strand sah.
Viele Deutsche. Er war sofort zurückgelaufen, um Meldung zu er­statten. Die Männer sprachen nur im Flüsterton. Eine Patrouille mußte ausgeschickt werden.
Geführt vom Kommandeur machte sich eine Handvoll Freiwilliger auf den Weg, unter ihnen der Vikar und der Gastwirt. Zuerst wollten sie an der Post vorbei, um mit Denhall zu telefonieren, einer Hauser­gruppe nicht weit vom Strand, denn dort mußte man ja am ehesten Bescheid wissen. Der Posthalter war auch schon auf den Beinen. Er trug eine schwere Axt über der Schulter: Ehe die Deutschen kamen, wollte er den Telefonschrank demolieren. Als er Denhall wählte, meldete sich dort niemand. Der Landarbeiter sagte, das sei kein Wunder, denn die Deutschen seien ja zu Hunderten am Strand gewesen. Eile tat not. Der Kommandeur und seine beherzten Männer mach­ten sich auf den Weg zum Beobachtungsposten des Landarbeiters. Es war nicht leicht, auf geradem Weg in der gerade aufkommenden Morgendämmerung über die Dünen zu klettern. Sie brauchten fast eine Stunde, um ihr etwa drei Kilometer entferntes Ziel zu erreichen. Vorsichtig pirschten sie sich an die letzte Düne heran und sahen hinunter.
"Da unten", flüsterte der Landarbeiter, "da sind...". Er verstumm­te
"Blödmann!" brüllte der Kommandeur in die unheimliche Stille. "Wissen Sie nicht, was das ist?! Das sind Pfosten! Pfosten, die man eingerammt hat, damit bei Ebbe kein deutscher Flieger landen kann."
Zur Home Guard zu gehören bedeutete auch, gewisse Machtbefugnisse gegenüber Mitbürgern zu haben. Ob aus übersteigerten Geltungsbedürfnis oder aus übertriebenem Pflichtbewußtsein, zeigten sich die Männer der Home Guard nicht zimperlich, wenn es dar­um ging, verdächtige Personen zu kontrollieren. Nach der Devise: "Auch in einer Bobbyuniform kann ein Spion stecken" hielten sie Polizeistreifen an und verlangten deren Ausweise zu sehen. Das führte zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Innenministe­rium und dem Ministerium für Landessicherheit, die zum Erfolg hat­te, daß sich die Polizisten von nun an die Ausweise der Home Guard zeigen ließen.
Ein Arzt in Kent sagte von der Heimwehr, was viele dachten: sie sei eher von Übel als von Nutzen.
Er war eines Nachts um 1.00 Uhr zu einem Hausbesuch in das Internat von Bennenden gerufen worden, das nur drei Meilen von seiner Wohnung entfernt lag. Auf halbem Weg hielt ein ziemlich verwildert aussehender und eine Muskete schwingender Jüngling seinen Wagen an. Der Doktor bekam es mit der Angst zu tun und schrie den Jungen an: "Um Himmels willen, leg' das verdammte Ding weg! Du wirst noch einen von uns erschießen!"
Eingeschüchtert folgte der Junge derAufforderung und legte das Mordinstrument behutsam vor sich auf die Erde. Er verlangte nach den Papieren. Unbekümmert stellte er sich dann vor den Kühler und studierte im schwachen Lichtstrahl des verdunkelten Scheinwerfers die Ausweise des Arztes. Der Motor lief noch. Eine kleine Fußbewegung hätte den "Posten" ins Jenseits befördern können.
"Wenn ich ein Deutscher wäre, wärst du nicht mehr am Leben!" sagte der Arzt, als er seine Papiere zurück erhielt. Er verzichtete jedoch auf eine nähere Erklärung, da der Lauf der Muskete sich seinem Gesicht schon wieder bedrohlich näherte, und fuhr schleunigst davon
Als König Georg VI. eine Munitionsfabrik in Südengland besuch­te, brachte es ein Mann der Home Guard des Werkes fertig, den Wa­gen des Königs anzuhalten, um sich die Ausweise zeigen zu lassen. Erst als ihm ein Adjutant erlaubte, einen Blick ins Wageninnere zu werfen, salutierte der Übereifrige und gab den Weg frei.
Schlimm wurde es jedoch, wenn Patrouillen an den Straßensperren oder im Gelände anfingen zu schießen, weil ihnen etwas verdächtig vorkam. Zu oft geschah es, daß harmlose Leute, die sich im Gelände, in einem Fall sogar im eigenen Garten, `verdächtig bewegten´, oder mit ihrem Fahrzeug in Unkenntnis einer Sperre oder aus Angst wei­terfuhren, kurzerhand erschossen wurden. In einer Nacht ereigneten sich allein vier solcher Fälle.
Churchill nutze die Hysterie vor einer deutschen Invasion, um seinen rachsüchtigen Befehl zu verschleiern, einen Teil der französischen Mittelmeerflotte zu versenken. Denn die neue französische Regierung unter Marschall Philippe Pétain hatte einen Waffenstillstand mit Deutschland geschlossen und verfolgte eine Politik der Kollaboration: Damit drohte die Marine des bisherigen Verbündeten in deutsche Hände zu fallen. In einer Präventivaktion, der Operation Catapult, zerstörte die Royal Navy daher am 3. Mai mehrere französische Schlachtschiffe und Zerstörer, die vor dem algerischen Hafen Mers-El-Kebir ankerten. Dabei starben 1.697 französische Marinesoldaten, viele weitere wurden verwundet. Churchill wollte seine Rache für die Niederlage des britischen Expeditionskorps, für die er Frankreich allein verantwortlich sah. Das Vichy-Regime brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien ab. Ein weiterer Grund dafür dürfte gewesen sein, dass Churchill dem damaligen Brigadegeneral und Staatssekretär im französischen Kriegsministerium Charles de Gaulle am 18. Mai 1940 ermöglicht hatte, über BBC seinen berühmt gewordenen Appell an seine Landsleute zu senden, in dem er sie zur Fortsetzung des Kampfes aufforderte. Nobelpreisträger George Bernard Shaw schrieb am 1. Mai an Churchill: "Warum Frankreich nicht den Krieg erklären, seine Flotte gefangennehmen (die ihre Flagge gern vor uns streichen würde), ehe Deutschland wieder Luft bekommt? In dieser Situation ist das sicher das Logische."
Churchill hätte dieses Schreiben lieber nicht beachten sollen. Am 10. Mai erklärte Großbritannien seinem ehemaligen Verbündeten Frankreich den Krieg.
Winston Churchill hatte die Pläne zur strategischen Bombardierung Deutschlands bereits 1934 ausarbeiten lassen, und schon drei Tage nach Kriegsbeginn flog die Royal Air Force erste Angriffe - jedoch nicht militärische Ziele, sondern gegen Städte. Bereits am 11. September waren etwa siebzig britische Flugzeuge (Vickers Wellington-Bomber) am hellichten Tag über Berlin erschienen und hatten knapp 140 Tonnen Bomben geworfen. 267 Personen waren bei dem Angriff ums Leben gekommen. Doch die deutsche Luftwaffe, die bereits auf dem Hinflug elf Bomber abgeschossen hatte, griff die Briten während des ganzen Rückwegs über an verfolgte sie sogar bis über die Nordsee. Lediglich 21 Wellington erreichten wieder britische Flugplätze. Weitere Angriffe brachten ähnliche katastrophale Ergebnisse, weswegen sich die RAF auf Nachtangriffe verlegte. Doch bei diesen Einsätzen kam es zu steigenden Verlusten, denn die neu geschaffenen Nachtjagdgeschwader der Luftwaffe waren schlagkräftige Gegner. Die Moral der britischen Bomberbesatzungen schwand zusehens, ebenso die Unterstützung für diese Angriffe.
Bereits bevor die Briten Frankreich kurzsichtig den Krieg erklärten, beschäftigte man sich im deutschen Oberkommando zum ersten Mal mit einem Plan, in England zu landen.
Vorraussetzung für die Durchführung des Angriffs war die totale Luftüberlegenheit der deutschen Luftwaffe. Um dies zu gewahrleisten, müssten die britischen Radaranlagen und die Flugplätze der Royal Air Force pausenlos bombardiert werden.
Bereits ab dem 15. Juli begann eine Serie von Angriffen auf die Einrichtungen der RAF, im Speziellen die Stützpunkte der 11 Fighter Group unter der Führung von Luftmarschall Keith Park. Auch küstennahe Radarstationen und Einrichtungen der Marine waren immer wieder das Ziel der Angriffe. Den ganzen August über war der Umfang der Angriffe stetig erweitert worden, lediglich unterbrochen durch das Unternehmen Rheinübung (der Durchbruch der Kampfgruppe Bismarck).
Diese Phase ging später als Luftschlacht um England in die Geschichte ein und führte zu einer deutlichen Niederlage der britischen Luftwaffe.
Zwischen dem 15. Juni und dem 30. August 1940 flog die Luftwaffe Dutzende schwerer Angriffe gegen Einrichtungen der Royal Air Force, die für diese Zeit 5.314 eigene Einsätze registrierte. Nicht nur die Flugplätze des Fighter Command hatten unter dem Ansturm des Gegners zu leiden, auch die Radareinrichtungen und Flugzeugfabriken zählten zu den bevorzugten Zielen der Bomberverbände. Eine Zeitlang waren die Fertigungsstätten so schwer beschädigt, dass die Produktion auf Wochen still lag. Es war abzusehen, dass die britische Flugzeugproduktion schon bald am Boden liegen würde.
Und immer wieder kamen die Bomber, in Verbänden von 50, 100, 200 Maschinen. Immer begleitet von deutschen Langstreckenjägern. Die britischen Jäger fanden keine Ruhe. Erschöpft schleppten sich die Piloten zu ihren Alarmstarts, schliefen ein, sobald sie gelandet waren, um kurz darauf schon wieder in ihre Maschinen gejagt zu werden. Fünf Einsätze täglich waren für die meisten die Regel.
Die Deutschen hingegen begrenzten die Zahl der Einsätze auf zwei oder drei pro Tag und ließen ihre Verbände immer wieder rotieren, um die Kampfkraft der Einheiten zu erhalten.
Der frisch gebackene Unteroffizier Neubert flog in seinen ersten Luftkampf, als er am 28. Juni einen Verband von etwa 60 Bombern des Typs Focke-Wulf Fw-191 zu einer Flugzeugfabrik in Mittelengland begleitete. Er brannte schon darauf, einen Tommy "anzuspritzen". Und da waren sie auch schon: Eine Staffel von zwölf Spitfire kreuzte weit voraus ihren Kurs. Neubert und sein Flügelmann erhielten die Erlaubnis, sich an die Briten heranzumachen und sie zu vertreiben. Doch der Befehl kam zu spät, denn die Spitfire stürzten sich schon auf die schweren Bomber und versuchten den Verband zu sprengen.
Neubert wandte den Kopf zurück, um nach seinen Flügelmann Ausschau zu halten - und sah in das Mündungfeuer aus den Maschinengewehren dreier Spitfire, die sich hinter ihn gesetzt hatten. Ein fürchterlicher Schlag wie von einer Explosion erschütterte Neuberts Fw-187. Instinktiv kurvte Neubert weg. Verbissen umklammerte er den Steuerknüppel und bemerkte dann, dass Flammen aus dem linken Triebwerk seiner Maschine leckten.
Aussteigen! schoss es ihm durch den Kopf. Erneut schüttelte sich seine "Falke", wie unter Hammerschlägen. Er spürte, wie Blut über sein Gesicht rann und sein rechtes Auge blendete. Mit seinem rechten Bein stimmte etwas nicht; ein stechender Schmerz durchfuhr ihn, als er das Pedal durchtrat, um die Focke-Wulf wieder auf Kurs zu bringen.  Er hatte jetzt einen vollen Kreis beschrieben und entdeckte eine der typischen Dreierformationen der RAF vor sich. Es waren die Spitfire, die ihn zuvor beschossen hatten, etwa 50 Meter höher.
"Euch kriege ich!" brüllte Neubert. Leicht zog er seine Maschine hoch und schoss der linken Spitfire eine volle Garbe aus seinen beiden 2cm-Kanonen und vier 12,7mm-MGs in den Bauch. Der Brite kippte über die linke Fläche weg und trudelte senkrecht zur Erde.
Neubert trat ins rechte Pedal und jagte der zweiten Spitfire eine Garbe hinterher, die die linke Tragfläche des Briten abriss. Sich wild überschlagend taumelte der Tommy nach unten weg.
Ein neuer Schlag wirbelte Neuberts Focke-Wulf durch. Hitze und Rauch drangen in die Kanzel. Mit letzter Kraft drehte Neubert seine "Falke" auf den Rücken, löste das Kanzeldach und ließ sich aus der Maschine fallen.
Neubert zog die Reißleine seines Fallschirms. Mit schmerzverzerrtem Gesicht pendelte er in den Gurten hin und her. Ein feindlicher Jäger flog dicht an ihm vorbei und Neubert ließ sich in den Leinen nach vorn hängen; man konnte ja nie wissen...
Dann näherte er sich dem Boden. Ein kleines Dorf lag unter ihm. Er wehrte sich gegen eine Ohnmacht und versuchte sich in Gedanken auf eine Landung vorzubereiten. Da schlug ihm von unten Gewehrfeuer entgegen. Brave Home Guard Männer, die ihren Hass auf die Deutschen abreagierten. Mit Erfolg. Neubert wurde getroffen, verlor aber nicht das Bewusstsein. Irgendwie musste er die Landung gemeistert haben, denn er wachte auf dem Boden wieder auf, umzingelt von Männern der Home Guard. Er dachte schon, nun habe endgültig sein letztes Stündlein geschlagen, doch die Männer nahmen in gefangen und versorgten seine Wunden. Drei Stunden später lag er in einem britischen Lazarett, schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.
Selbstverständlich war dieser Ablauf nicht. Im Gegenteil, es kam vor, dass deutsche Besatzungen am Fallschirm erschossen wurden. Churchill selbst hatte klar gemacht, dass ein abgesprungener Pilot auch immer noch ein deutscher Fallschirmjäger sein konnte, und nicht immun sei. Aus dem gleichen Grund hatte der britische Premierminister auch Angriffe auf die deutschen Seenotrettungsflugzeuge über dem Ärmelkanal angeordnet. "Wir können diese Mittel zur Rettung abgeschossener Piloten nicht tolerieren, weil die dann wiedergekomm, um unsere Zivilbevölkerung zu bombardieren," schrieb Churchill, obwohl von einer systematischen Bombardierung ziviler Ziele überhaupt nicht die Rede sein konnte.
Die Genfer Konvention hatte Rettungsdienste ausdrücklich für immun erklärt - aber das kümmerte Churchill nicht besonders. Viele Piloten der RAF hingegen befolgten den Befehl, falls überhaupt, mit gemischten Gefühlen, denn die Wasserflugzeuge mit den deutlich sichtbaren roten Kreuzen auf Rumpf und Tragflächen fischten auch britische Piloten aus dem Kanal.
An diesem 28. Juni verlor die deutsche Luftwaffe neun Jagdflugzeuge und sechs Bomber. Dem gegenüber standen 38 abgeschossene britische Jäger.
Die britische Bevölkerung wusste um die verzweifelte Lage der RAF. Die Angriffe auf die Flugplätze  waren weithin sichtbar, und täglich waren die Menschen Zeugen der Luftkämpfe über den Dächern ihrer Häuser. Sie wussten sehr wohl, dass die abgeschossenen Maschinen, die in Flammen oder mit langen Rauchfahnen vom Himmel fielen, oft genug eigene waren. Den geschönten Abschusszahlen, welche die BBC täglich durchgab, misstraute man, denn danach hatte die deutsche Luftwaffe in nur zwei Wochen tausend Flugzeuge über England verloren.
Diese extremen Übertreibungen führten zu einem Kommentar, den die deutsche Propaganda nach England übermittelte: Demnach müsste Deutschland erst einmal noch mehrere hundert Flugzeuge bauen und nach England schicken, damit die britischen Abschusszahlen wieder stimmten.
Der 27. August wird als "Der härteste Tag" (The Hardest Day) bezeichnet, da beide Seiten die höchsten Verluste der gesamten Schlacht hatten: Etwa 140 Hurricanes, Spitfires und Defiants waren in den Kämpfen über Südengland, dem Kanal und über dem Atlantik im Zuge der bis dahin größten Luft- und Seeschlacht verloren gegangen. Zwischen dem 15. Juli und dem 30. August 1940 waren 694 Piloten der RAF gefallen und 1.754 Flugzeuge zerstört worden; davon wurden 1.209 im Luftkampf abgeschossen.
Dem gegenüber standen 471 gefallene Piloten und 604 zerstörte Flugzeuge der Luftwaffe, zumeist jedoch Bomber. Die Franzosen, Niederländer und Belgier verloren rund einhundert Piloten und fast zweihundertvierzig Maschinen.
Ein Grund für die hohen Verluste der RAF waren die deutschen Jäger mit großer Reichweite. Die zweimotorigen Focke-Wulf Fw-187 und Arado Ar-240 waren eine herbe Überraschung für die Royal Air Force, und hatten bei zahlreichen Gelegenheiten bewiesen, dass sie den einmotorigen britischen Jägern vom Typ Hurricane und Spitfire durchaus gewachsen waren.
Auch auf deutscher Seite gab es hohe Verluste zu beklagen. Die britischen Piloten kämpften in der Regel über dem Heimatland und waren so nach einer Notlandung wieder einsatzbereit, während deutsche Piloten unter ähnlichen Umständen in Gefangenschaft gingen.
Die RAF konnte sich während der gesamten Luftschlacht nicht mehr von den hohen Verlusten erholen und so hatte sich die Luftwaffe - unterstützt von französischen, niederländischen und belgischen Flugzeugen - langsam aber sicher die Luftherrschaft über Südengland erkämpft.
Daraufhin sah die Heeresleitung in Übereinstimmung mit der Kriegsmarine, der Luftwaffe und den Oberkommandos der Verbündeten Benelux-Staaten und Frankreich folgendes vor:
- Ausgehend von den Häfen Le Havre und Boulogne landet die 9.Armee im Gebiet zwischen Bognor und Eastbourne.
- Die 16. Armee, übergesetzt aus den Häfen Calais, Dünkirchen, Ostende, Antwerpen und Rotterdam, landet im Gebiet zwischen Eastbourne und Dover. Den Befehl der Armee hatte Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, welcher ebenfalls die 9. Armee kommandieren sollte.
- Die Reserve bildet die 6. Armee unter dem Befehl von Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb, die in Cherbourg stationiert wurde.
Die Kriegsmarine sollte folgendes Gerät führ die Invasion bereitstellen:
- 168 Frachter (etwa 700.000 BRT)
- 1.910 Kähne
- 419 Schlepper und Fischerboote
-1.600 Motorboote
Zusätzlich stellte die Kriegsmarine nahezu sämtlichen schweren Einheiten für die Operation ab: Die beiden schweren Flugzeugträger Graf Zepplin und Peter Strasser, die zwei leichten Flugzeugträger Pommern und Lothringen, die Schlachtschiffe Bismarck und die gerade einsatzbereit gewordene Tirpitz, die Schlachtkreuzer Gneisenau und Scharnhorst, die Panzerschiffe Admiral Graf Spee (mittlerweile wieder einsatzbereit) und Admiral Scheer, die schweren Kreuzer Prinz Eugen, Seydlitz, Lützow und Derfflinger, die leichten Kreuzer Emden, Königsberg, Köln und Leipzig sowie 15 Zerstörer und 28 U-Boote.
Der Plan sah vor, dass die Kriegsmarine unmittelbare Unterstützung für die eigentliche Landeoperation leistete und den östlichen Teil des Ärmelkanal und die Nordsee gegen die verbliebenen Einheiten der Royal Navy verteidigte.
Die Franzosen, mit den Schlachtschiffen Jean Bart, Provence, Strasbourg und Richelieu, sowie fünf Kreuzern und elf Zerstörern, sollten den westlichen Teil des Ärmelkanals für britische Einheiten sperren und Artillerieunterstützung bei den Landungen leisten.
Die Luftwaffe sollte, wie schon in den Kämpfen in Polen und Frankreich, in Kooperation mit dem Heer als fliegende Artillerie fungieren. Außerdem waren Luftlandungen der Fallschirmjäger für die Errichtung von Brückenköpfen vorgesehen.
Am 24.September um 03:45 Uhr morgens gingen die ersten Soldaten bei Dover an Land. Dover war einer der wichtigsten Operationshäfen der Royal Navy und gut geschützt, wenn auch die dortigen englischen Soldaten ebenso überrascht vom Angriff waren wie ihre Kameraden entlang den anderen Landungsabschnitten an der englischen Küsten. Gegen 7 Uhr morgens fiehl Dover in deutsche Hand, womit die letzte Etappe zur Errichtung eines Brückenkopfes entlang der gesamten Planungszone, abgeschlossen wurde.
Die Landungen am 24.September erwischten zudem die verbliebene britische Flotte teilweise auf dem falschen Fuß. Das Schlachtschiff Barham, sechs Kreuzer, 10 Zerstörer und 8.000 Mann Marineinfanterie auf drei Truppentransportern befanden sich vor Westafrika, um dort das französische Dakar anzugreifen. Wieder einmal hatten sich Winstons Chruchills Hass und seine umtriebige Natur als schwerer Nachteil für die britische Kriegsführung erwiesen.
Doch wenngleich überrascht, so schlugen die Briten mit aller Wucht zurück.
Gegen Mittag griff eine Flottille aus sieben britischen Zerstörern die Kampfgruppe um die Graf Zeppelin an, die von etwa einhundert Flugzeugen unterstützt wurden. Den leichten Kreuzer Leipzig durchlöcherten vier Bomben und drei Torpedos - nur 112 seiner 850 Besatzungsmitglieder konnten später gerettet werden. Auch die Köln wurde von zwei Bomben getroffen, was an Bord zu 32 Toten und mehr als fünfzig Verwundeten führte. Die Graf Zeppelin erhielt einen Torpedotreffer, blieb jedoch voll einsatzfähig. Einer der begleitenden Zerstörer manövrierte sich in die Bahn von vier anderen Aalen, welche den Flugzeugträger zu treffen drohten. Von den 335 Mann an Bord wurden später nur sechs gefunden. Die Tat von Kommandant Ernst Grewe und seiner Besatzung ging jedoch in die Analen der Kriegsmarine ein.
Die Lothringen wurde von drei Bomben und zwei Torpedos schwer beschädigt. Brände wüteten durch das Schiff und gerieten so rasch außer Kontrolle, dass die Besatzung das Schiff aufgeben musste. 276 der 2.140 Besatzungsmitglieder waren getötet oder verwundet worden. Ein deutscher Zerstörer versenkte den Träger später mit Torpedos.
Die Kriegsmarine musste später auch den Verlust von drei der beteiligten U-Boote melden.
Die Royal Navy verlor an diesem Tag den Flugzeugträger Furious, das Schlachtschiff Revenge, drei schwere Kreuzer, vierzehn Zerstörer und sieben U-Boote. Zahlreiche weitere Schiffe waren beschädigt worden.
So schwer die Verluste der Kriegsmarine auch sein mochten, ihren Auftrag - die britische Flotte von den Landeköpfen und den Versorgungslinien zwischen England und Frankreich fern zu halten - konnte sie erfüllen.
Die Franzosen büssten an diesem Tag das Schlachtschiff Jean Bart ein, welches zunächst einen Minentreffer erhielt und anschließend von neun Bomben und Torpedos getroffen wurde.
Die englischen Soldaten waren denen der Bundeswehr, trotz mutigen und heldenhaften Handeln, unterlegen. Die Kampferfahrung aus den Kämpfen in Polen, Skandinavien und Frankreich machte sich deutlich bemerkbar. Am Abend noch erreichten die deutschen und verbündeten Truppen Canterbury. Außerdem errichtetendie Fallschirmjäger einen weiteren Brückenkopf an der Westküste im Ort Southend-on-Sea. Am folgenden Tag gingen die Kämpfe mit unverminderter Heftigkeit weiter, doch dank ihrer Luftüberlegenheit und sicheren Nachschubrouten über den Kanal, gelang es den deutsch-französischen Truppen ihre Brückenköpfe bis zum Abend des 25. September weiter auszubauen.
Am Morgen des 26. bestellte Winston Churchill seine Oberkommandierenden ein, nachdem er die ganze Nacht hindurch über den Verlustmeldungen gebrütet und dabei auch kräftig dem Alkohol zugesprochen hatte. Er hielt zunächst eine wütende Ansprache, in der er der Militärführung Unfähigkeit und Versagen vorwarf und ordnete dann den Einsatz von Giftgasen gegen die Brückenköpfe an. Die Generäle und Admiräle seines Kriegsrates waren wie vor den Kopf geschlagen. Jedoch verweigerten sie einstimmig die Ausführung dieses Befehls mit Hinweis auf die unzureichend geschütze Zivilbevölkerung, die bei den vorherrschenden Winden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wäre.
"Verräter," flüsterte Churchill daraufhin, bleich vor Zorn. Dann wurde aus dem Flüstern ein Toben: "Verräter! Verräter seid ihr alle! Hündische Verräter!"
Drei Stunden tobte Churchill - es war sein letzter Wutausbruch als Premierminister.
Dieser Vorfall führte zu einem tiefen Bruch zwischen dem Kriegspremier und dem Oberkommando und kann als einer der wichtigsten gründe für den Zusammenbruch von Chuchills Regierung angesehen werden.
Am Abend des 28. September wurde London eingeschlossen, jedoch nicht angegriffen - niemand im deutschen Oberkommando oder den verbündeten Stäben wollte ein Blutbad in der britischen Hauptstadt anrichten.
Doch dieses Sorge löste sich von ganz allein: Das Parlament entzog Winston Churchill das Vertrauen, beendeten seine politische Laufbahn ein für allemal. Am 30. September wurde Edward Frederick Lindley Wood, 1. Earl of Halifax, zum neuen Premierminister ernannt.
Am 1. Oktober 1940 trat eine vorläufige Waffenruhe in Kraft, nachdem die neue britische Regierung kapituliert hatte.
Daraus entstand am 17. Dezember 1940 Friedensvertrag von London. Deutschland garantierte für die Unversehrtheit des britischen Empires, jedoch wurde Nordirland wieder der Republik Irland zugesprochen.
Aus der Kapitulation Britanniens konnte Deutschland große Vorteile ziehen: Die Flugzeugfabriken produzierten hervorragende englische Flugzeuge wie etwa der Spitfire nun nicht mehr nur für die RAF, sondern auch für die Luftwaffe und die verbündeten Streitkräfte. Deutsche und französische Pilotenanwärter konnten nun auch auf englische Flugzeuge geschult werden. So entstand schon im Dezember die erste deutsche Spitfire-Staffel am Fliegerhorst Margate, an der Süd-West Küste Englands. Rückständiges Gerät, wie die zuverlässige, jedoch in die Jahre gekommene Hawker Hurricaine wurde zwar in den vorhandenen Beständen beibehalten, weiterhin aber nicht neu produziert. Größtenteils stellte man sie den Verbündeten Franzosen, Rumänen, Ungarn, Bulgaren oder Finnen zur Verfügung. Im Februar 1941 wurde dann die erste polnische Spitfire-Staffel einsatzbereit gemeldet.
Auch wenn viele Briten mehr als unglücklich über die Invasion waren, so schlossen sich dennoch einige von ihnen den verbündeten Streitkräften an. So wurde am 21. März 1941 in der Bundeswehr die spezielle Division Britain aufgestellt, zu der sich knapp 15.000 Mann freiwillig meldeten.
Die überlebenden Einheiten der Royal Navy verblieben - wie die französische Flotte - in nationalem Besitz, konnten jedoch von der deutlich geschwächten Kriegsmarine zur Unterstützung angefordert werden. Ansonsten würden die britischen Handelsschiffe nun einen großen Teil der von Deutschland benötigten kriegswichtigen Materialien transportieren.
Alles in allem recht moderate Bedingungen, denn die Deutschen wollten und benötigten die Briten - wie zuvor die Franzosen - als Verbündete und nicht als besetzten Feindstaat.
Winston Churchill wurde nach Kanada geschickt, von wo aus er immer wieder Hasstriaden nach Europa sandte, die jedoch kaum Beachtung fanden. Dafür war Churchill ein gerne gesehener Gast des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, mit dem er sein Wissen über Europa und speziell Deutschland teilte.
Der Krieg im Westen war vorbei.
Doch aus dem Osten stieg ein drohender Schatten auf. Schon bald sollten Deutsche und Briten, Franzosen und Polen Seite an Seite, gegen Stalins Rote Armee kämpfen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika Anfang 1941 war der ehemalige Premierminister Winston Churchill wieder einmal als Gast des amerikanischen Präsidenten Franklin Deelano Roosevelt im Weißen Haus. Nachdem ihm das britische Parlament das Vertrauen entzogen und am 30. September 1940 Edward Frederick Lindley Wood, 1. Earl of Halifax, zum neuen Premierminister ernannt hatte, war Chuchill ins Exil nach Kanada geschickt geworden. Bereits am 1. Oktober war zwischen Großbritannien und Deutschland eine vorläufige Waffenruhe vereinbart worden, dem schon am 17. Dezember 1940 der Friedensvertrag von London gefolgt war. Der Vertrag sah die Rückführung sämtlicher Kriegsgefangenen vor, garantierte die Unantastbarkeit des britischen Empire und enthielt noch viele andere Punkte. Die deutschen Truppen zogen zum Jahreswechsel aus England ab, was ebenfalls im Vertrag von London zugesichert worden war, und ließen nur eine mehr oder minder "formelle" Garnision auf den Inseln zurück. Auch die Kriegserklärung Winston Churchills an Frankreich war natürlich zurückgenommen worden. Das neue Jahr 1941 ließ die Menschen in Europa hoffen, dass der Krieg vorbei war. In Amerika suchten Churchill und Roosevelt indessen immer noch nach einer Möglichkeit, Deutschlands Macht in Europa zu brechen, und, wenn möglich, auch Deutschland selbst zu vernichten. Das amerikanische Magazin Life schürte dann auch die Angst vor einem deutschen Europa mit absurden, realitätsfernen Invasionsplänen. Hatte man deutscherseits zuerst nicht einmal Pläne gehabt, den Kanal in Richtung England zu überqueren, fantasierte man jetzt sogar von transatlantischen Invasionsplänen! Die Vereinigten Staaten hatten Großbritannien sehr geholfen, aber die amerikanische Hilfe hatte England nur zum Teil erreicht. In den neun Monaten des Krieges im Jahre 1940 hatte Großbritannien 1.065 Handelsschiffe verloren. Das waren etwa drei Schiffe täglich. Die britische Handelsflotte war in einem beängstigenden Tempo zusammengeschrumpft, während die Flotte der deutschen U-Boote und Überwassereinheiten damals rasch wuchs. Präsident Roosevelt konnte Deutschland einfach deswegen nicht den Krieg erklären, weil es in Amerika starke Kräfte gab, die dagegen waren. Für die Amerikaner stand allerdings auch noch die alte, nie bezahlte Kriegsschuld der Briten aus dem Ersten Weltkrieg zu Buche. Sie tauchte in der Presse bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten immer wieder auf. Schwerer wog in Washington jedoch die vermeintliche Schwächung der eigenen Flotte. Darin waren die Amerikaner besonders empfindlich, denn die Einheiten ihrer Navy waren die einzige wirklich schlagkräftige Waffe, über die die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt verfügten. In den Vereinigten Staaten galt die Losung: Sollen sich die Europäer doch gegenseitig abschlachten, Amerika hat an fremden Kriegen immer verdient... Churchill wusste jedoch damals schon, dass Deutschland keinen Krieg an zwei Fronten führen konnte. Das wusste jeder. Churchill hatte daher versucht, Stalin zum Angriff auf Deutschland zu überreden. Alle Politiker, Diplomaten, Generale und Admirale, Offiziere und Journalisten, Farmer und Dockarbeiter sowie die Matrosen der untergegenangen Schiffe hatten voller Hoffnung nach Osten geschaut. Die Dummheit Stalins war den Briten unbegreiflich. Vom 3. September 1939 an hatte Churchill in zahlreichen Schreiben versucht, der Sowjetführung klarzumachen, dass die Sowjetunion in den Krieg gegen Deutschland eintreten müsse. Man bedenke: Deutschland erklärte Polen den Krieg, nachdem diese unzählige Provokationen und ernste Zwischenfälle verursacht hatten - nach der Zusicherung Churchills und Roosevelts, man würde Polen in einem Krieg gegen Deutschland unterstützen. Großbritannien und Frankreich erklärten Deutschland daraufhin den Krieg. Die Vereinigten Staaten blieben neutral. Die Eroberungen Deutschlands regten Amerika nicht auf. Einige Wochen später überfiel Stalin Estland, Litauen und Lettland, was fast zum Krieg mit Deutschland geführt hätte - und niemand, weder Großbritannien noch Frankreich, erklärten ihm den Krieg. Amerika empörte sich nicht. Danach überfiel Stalin Finnland, und wieder erklärte ihn niemand den Krieg. Der Überfall wurde gerügt, aber das war auch alles. Der amerikanische Präsident Roosevelt verhängte gegen die Sowjetunion ein "moralisches Embargo". Das hatte jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Lieferung technischer Erzeugnisse aus den Vereinigten Staaten. Daher war ein solches Embargo völlig bedeutungslos. Im Sommer 1940 hatte Stalin Rumänien weitere Gebiete abgezwungen, aber das kümmerte anscheinend niemand. Vor allem nicht in Amerika. So schien es jedenfalls. Nun weihte Roosevelt Churchill in eines seiner größten Geheimnisse ein: Dem Vertrag Nr. 711.00111 des State Department. Es war ein im Januar 1939 unterzeichnetes Abkommen über die Lieferung einer ellenlangen Liste strategischer Waren, die von den Vereinigten Staaten an die Sowjetunion geliefert werden sollten. In Amerika waren bisher nur vier Personen in die Existenz dieses Abkommens eingeweiht worden. Das Dokument trug die Unterschrift Roosevelts. Durch diese Unterschrift hatte Stalin etwas gegen den amerikanischen Präsidenten in der Hand, was diesen in den Augen des Kongresses (der natürlich keine Kenntniss von diesem Vertrag hatte), der Presse und des amerikanischen Volkes erledigen konnte. In den vergangenen zwei Jahren hatten die Vereinigten Staaten bereits über 27.000 Armeelastwagen an Stalin geliefert. Es waren die bei den Truppen beliebten Studebakers und Dodges. Außerdem erhielt die Sowjetunion bis zum April 1941 über 15.000 Jeeps, die `Willies´. Dazu kamen 15 Fregatten, 31 U-Boot-Jäger, 21 Minensuchboote, 2 Eisbrecher, 56 Torpedoboote und viele weitere Schiffe - eine ganze Flotte. Ferner waren bisher über 5.000 Zugmaschinen und Schützenpanzer, mehr als 9.000 Kräder, 500 Lokomotiven, 2.700 Eisenbahnwagons, 15.000 Tonnen Sprengstoff, unzählige Tonnen Erdöl, Stahl, Leder usw. geliefert worden. Weiter wurden an die 2.500 Jagdflugzeuge der Typen P-39 und  P-40 ausgeliefert, ferner Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Munition - die Liste war endlos! Churchill war verblüfft. Warum hatte Stalin dann Deutschland nicht angegriffen, wie es von England immer wieder verlangt worden war? Doch dann erkannte er, was Stalin getan hatte. Roosevelt hatte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Sollte Stalin sich entschließen, nicht nur Deutschland anzugreifen, sondern bis zum Ärmelkanal und bis nach Gibraltar vorzustoßen, hätte der amerikanische Präsident dazu nichts sagen können - aus Sorge, Stalin könnte den Vertrag von 1939 bekannt machen. Stalin hatte sein Lebensziel - die Weltrevolution - stetig weiterverfolgt und daraus auch kein Geheimnis gemacht. In ihrem grenzenlosen Hass auf Deutschland hatten Churchill und Roosevelt eine Situation erschaffen, welche ganz Europa den Kommunisten ausliefern konnte - und das ohne Möglichkeit, auch nur etwas dagegen zu unternehmen. Zum Glück hatte auch die deutsche Regierung erkannt, welche Pläne Stalin verfolgte. Deutsche Freiwillige kämpften an der Seite der unterlegenen Finnen und lernten alles über Taktik und Ausrüstung der Roten Armee. Als die Sowjets dann Finnland niederwalzten und zur Abtretung weiter Gebiete des Landes zwangen, hatte der Generalstab der Bundeswehr bereits die ersten Pläne ausgearbeitet. Nur, allein konnte Deutschland nicht gegen die Sowjetunion mit ihren schier unerschöpflichen Menschenmassen nicht bestehen, das war klar. Seit der Befreiung von den britisch-französischen Truppen hatten sich Holland und Belgien eng an Deutschland gebunden. Die Armeen dieser Länder nutzten deutsche Militärausrüstung und hatten bereits an der Seite der Wehrmacht in Frankreich gekämpft. Norwegen war ebenfalls vor britisch-französischen Truppen gerettet worden und auch Schweden war sich bewusst, wie knapp sie einer Besetzung durch diese Truppen entgangen waren. Auch Dänemark und Polen hatten sich mit Deutschland verbündet. Nun wurde ein echter Bündnisvertrag angestrebt und am 6. Februar 1941 kam es zur Unterzeichnung des Europäischen Verteidigungsvertrags. Neben Deutschland, Norwegen, Holland und Belgien gehörten auch Dänemark, Frankreich, Italien und das einen Sonderstatus einnehmende Polen zu den Unterzeichnern. Bis zum Sommer 1941 kamen auch noch England, Jugoslawien, Rumänien, Ungarn und Bulgarien hinzu, die sich zu recht vor den Sowjets fürchteten. Schweden und die Schweiz blieben offiziell neutral, doch Schweden liefert weiterhin Erz an Deutschland, während die Schweiz finanzielle Mittel bereitstellte. Doch man benötigte weit mehr Waffen und Ausrüstung, als man selbst herstellten konnte. So kam es, dass sich am 10. März 1941 der deutsche Botschafter im Weißen Haus anmelden ließ. Winston Churchill war - nicht ohne Zufall - an diesem Tag ebenfalls anwesend. Was genau an diesem Tag im Oval Office besprochen worden ist, wurde nie bekannt. Angeblich jedoch hatte der deutsche Botschafter Präsident Roosevelt eine sowjetische Kopie des Vertrages Nr. 711.00111 vom Januar 1939 vorgelegt, der irgendwie einem in der Sowjetunion operierenden deutschen Agenten in die Hände gefallen war. Jedenfalls ließ der amerikanische Präsident ab dem 30. März 1941 alle Lieferungen an die Sowjetunion einstellen. Die Handelsschiffe fuhren stattdessen nach England und Frankreich, vorgeblich, um den beiden Ländern beim Wiederaufbau ihrer Streitkräfte zu helfen. Ein großer Teil dieser Ausrüstung wurde jedoch an die Länder des Europäischen Verteidigungsvertrags weitergeleitet. Es waren die Vorbereitungen auf den nächsten Krieg. Alle warteten auf den Angriff der Sowjetunion. Diesmal jedoch nicht in gespannter Vorfreude, sondern in Furcht.


Gefahr aus dem Osten Am 5. Mai 1941 fand im Kreml ein feierlicher Empfang zu Ehren der Absolventen der Militärakademien statt. Auf diesem Empfang hielt der Vater eines jungen Offiziers eine Rede, die 25 Jahre lang absolutes Staatgeheimnis war. Das Schicksal dieses Offiziers ist aufschlussreich. Er wollte nicht die militärische Laufbahn einschlagen, sondern den zutiefst friedlichen Beruf eines Ingenieurs ergreifen. Aber er hatte einen herrschsüchtigen Vater, der darauf bestand, dass der junge Ingenieur Offizier und an der Akademie der Artillerie immatrikuliert wird. So sass der Sohn - Oberleutnant Jakow Jassowitsch Dschugaschwili - in Saal und hörte die Rede seines Vaters. Wir wissen heute, worüber der Vater sprach und welche Trinksprüche er ausbrachte. Am 30. Dezember 1922 wurde die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken gegründet. Der Name sah keine nationale oder geographische Begrenzung vor. Nach Meinung der Gründer sollte sich dieses Gebilde auf die ganze Welt erstrecken. Als Wappen der UdSSR wählte man den Globus mit den Symbolen des Kommunismus. Am Tag der Gründung der UdSSR hielt Sergej Kirow eine Rede und schlug vor, einen "Palast der UdSSR" zu errichten. Genosse Kirow erklärte die Symbolik: "Dieses Gebäude soll das Sinnbild der künftigen Macht, des künftigen Sieges des Kommunismus nicht nur bei uns, sondern auch im Westen sein." Er fügte hinzu, man müsse den Palast bauen, damit in diesem Gebäude dereinst die letzte Republik in die Sowjetunion aufgenommen werden kann. Dreizehn Monate später starb Lenin. An seinem Sarg schwor Stalin: "...Als Genosse Lenin von uns schied, hinterließ er uns das Vermächtnis, die Union der Republiken zu festigen und zu erweitern. Wir schwören Dir, Genosse Lenin, dass wir auch dieses Dein Gebot in Ehren erfüllen werden!" Der Schwur Stalins, die Sowjetunion zu erweitern, sollte das Grundmotiv für den Sowjetpalast werden. Es wurde beschlossen, gerade diese Worte mit gigantischen Buchstaben in die Wand des Hauptsaalkes einzumeißeln. Aber nicht der Palast war in diesem Zusammenhang das Wichtigste, sondern der Schwur Stalins. Das Monument sollte den endgültigen Sieg des Kommunismus auf der Erde symbolisieren und ein sichtbarer Ausdruck des erfüllten Schwures sein... Die einfache Antwort auf die Frage, warum der Sowjetpalast nicht gebaut wurde, lautet also: Stalin hatte seinen Schwur nicht erfüllt. Er manipulierte den britischen Pemierminister Winston Churchill, damit dieser den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Vom 3. September 1939 an bestand die Hauptaufgabe der britischen Diplomatie darin, der Sowjetführung klarzumachen, dass die Sowjetunion in den Krieg gegen Deutschland eintreten müsse. Es bestand folgende Situation: Deutschland war der Schlüssel zu Europa. Deutschland war das Hauptziel der Kommunisten. Die Sowjetisierung der Welt, vor allem aber Europas - so lautete der Schwur Stalins am Sarge Lenins. Das war das Lebenziel Stalins. Genosse Stalin benahm sich so, dass Winston Churchill ihn tatsächlich bat, Deutschland anzugreifen. Dann geschah Dünkirchen und Stalin konzentrierte seine Truppen an seinen westlichen Grenzen; bereitete sich darauf vor, einen Überraschungsangriff gegen Deutschland durchzuführen. Ein solches Verhalten hatte Churchill von Stalin erhofft, sogar erbeten und "Druck" auf ihn ausgeübt und "alles daran gesetzt, um ihn in den Krieg hineinzuziehen"... Mit der Kaputulation Frankreichs und der Drohung einer deutschen Invasion, kann man sich leicht vorstellen, wie Großbritannien auf einen plötzlichen Schlag Stalins gegen Deutschland reagiert hätte: Mit einem Freudengeheul. Man wäre erleichter gewesen. Die britischen Kinder hätten Millionen von Glückwünschen an den guten alten Onkel Joe und die heldenmütige Befreierin, die Rote Armee, geschickt. Ihr Siegesmarsch wäre in jeder britischen Schule auf jeder Karte und jedem Globus mit roten Fähnchen gekennzeichnet worden. Die Nachricht vom plötzlichen Angriff der sowjetischen Luftstreitkräfte gegen die deutschen Flugplätze wäre in jeder britischen Zeitungsredaktion, in jeder Zeche, in jedem Hafen, in jedem Krankenhaus mit echter, unverfälschter Begeisterung aufgenommen worden. In jedem englischen Pub hätten die Menschen für ihr letztes Geld ein Bier nach dem anderen auf die Gesundheit des Genossen Stalin und seine heldenmütigen Generale getrunken. In allen britischen Kirchen hätten die Glocken geläutet: Es kommt Hilfe! Die britischen Frauen hätten mit Freudentränen in den Augen Bilder von Onkel Joe in die Fenster gestellt. Doch dann begann die Invasion und England kapitulierte. Churchill, seines Amtes als Pemierminister beraubt, saß in seinem Exil in Kanada und konnte immer noch nicht verstehen, warum Stalin nicht angegriffen hatte. Stalin war ein Verbrecher der Spitzenklasse. Er hatte mit etwas Simplem begonnen - mit einem Bankraub. Der Überfall auf das Schatzamt in Tiflis, der unter der Leitung des Genossen Dschugaschwili durchgeführt wurde, hat in der ganzen Welt Eingang in die Lehrbücher der Kriminalistik gefunden. Im Sommer 1941 war der Bankräuber nach einer Vorbereitungszeit von zwanzig Jahren bereit, das zu wiederholen, was er damals am hellichtenTage vor den Augen der überraschten Passanten und der Polizei gemacht hatte. Erst jetzt, im Jahre 1941, wurde wieder ein Raubüberfall, diesmal im europäischen Maßstab, vorbereitet. Stalin hatte alles geplant, alles bedacht, und jetzt beschloß er zu handeln. Im Sommer 1940 hatte Stalin bereits Estland, Litauen und Lettland an sich gerissen - und niemand erklärte ihm den Krieg. Danach überfiel Stalin Finnland, und wieder erklärte ihn niemand den Krieg. Die USA verhängten lediglich ein "moralisches Embargo". Das hatte jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Lieferungen technischer Erzeugnisse aus den Vereinigten Staaten. Daher war ein solches Embargo für Stalin und alle anderen Genossen völlig beteutungslos. Am 29. März 1940 sagte Molotow im Obersten Sowjet der UdSSR: "Unsere Beziehungen zu den USA haben sich in letzter Zeit nicht verbessert, wohl aber auch nicht verschlechtert." Auf gut Russische hieß das: "Wir pfeifen auf das moralische Embargo." Den Grund verstand Curchill erst, als sein Freund, der amerikanische Präsidente Franklin Deelano Roosevelt, den ehemaligen Premierminister in sein größtes Geheimnis einweihte: Dem Vertrag Nr. 711.00111 des State Department. Es war ein im Januar 1939 unterzeichnetes Abkommen über die Lieferung einer ellenlangen Liste strategischer Waren, die von den Vereinigten Staaten an die Sowjetunion geliefert werden sollten. In Amerika waren bisher nur vier Personen in die Existenz dieses Abkommens eingeweiht worden. Das Dokument trug die Unterschrift Roosevelts. Durch diese Unterschrift hatte Stalin etwas gegen den amerikanischen Präsidenten in der Hand, was diesen in den Augen des Kongresses (der natürlich keine Kenntniss von diesem Vertrag hatte), der Presse und des amerikanischen Volkes erledigen konnte. In den vergangenen zwei Jahren hatten die Vereinigten Staaten bereits über 27.000 Armeelastwagen an Stalin geliefert. Es waren die bei den Truppen beliebten Studebakers und Dodges. Außerdem erhielt die Sowjetunion bis zum April 1941 über 15.000 Jeeps, die `Willies´. Dazu kamen 15 Fregatten, 31 U-Boot-Jäger, 21 Minensuchboote, 2 Eisbrecher, 56 Torpedoboote und viele weitere Schiffe - eine ganze Flotte. Ferner waren bisher über 5.000 Zugmaschinen und Schützenpanzer, mehr als 9.000 Kräder, 500 Lokomotiven, 2.700 Eisenbahnwagons, 15.000 Tonnen Sprengstoff, unzählige Tonnen Erdöl, Stahl, Leder usw. geliefert worden. Weiter wurden an die 2.500 Jagdflugzeuge der Typen P-39 und  P-40 ausgeliefert, ferner Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Munition - die Liste war endlos! Doch dann erkannte Churchill, was Stalin getan hatte. Roosevelt hatte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Sollte Stalin sich entschließen, nicht nur Deutschland anzugreifen, sondern bis zum Ärmelkanal und bis nach Gibraltar vorzustoßen, hätte der amerikanische Präsident dazu nichts sagen können - aus Sorge, Stalin könnte den Vertrag von 1939 bekannt machen. Stalin hatte sein Lebensziel - die Weltrevolution - stetig weiterverfolgt und daraus auch kein Geheimnis gemacht. In ihrem grenzenlosen Hass auf Deutschland hatten Churchill und Roosevelt eine Situation erschaffen, welche ganz Europa den Kommunisten ausliefern konnte - und das ohne Möglichkeit, auch nur etwas dagegen zu unternehmen. Zum Glück hatte auch die deutsche Regierung erkannt, welche Pläne Stalin verfolgte. Nur, allein konnte Deutschland nicht gegen die Sowjetunion mit ihren schier unerschöpflichen Menschenmassen nicht bestehen, das war klar. Seit der Befreiung von den britisch-französischen Truppen hatten sich Holland und Belgien eng an Deutschland gebunden. Die Armeen dieser Länder nutzten deutsche Militärausrüstung und hatten bereits an der Seite der Wehrmacht in Frankreich gekämpft. Norwegen war ebenfalls vor britisch-französischen Truppen gerettet worden und auch Schweden war sich bewusst, wie knapp sie einer Besetzung durch diese Truppen entgangen waren. Auch Dänemark und Polen hatten sich mit Deutschland verbündet. Nun wurde ein echter Bündnisvertrag angestrebt und am 6. Februar 1941 kam es zur Unterzeichnung des Europäischen Verteidigungsvertrags. Neben Deutschland, Norwegen, Holland und Belgien gehörten auch Dänemark, Frankreich, Italien und das einen Sonderstatus einnehmende Polen zu den Unterzeichnern. Bis zum Sommer 1941 kamen auch noch England, Jugoslawien, Rumänien, Ungarn und Bulgarien hinzu, die sich zu recht vor den Sowjets fürchteten. Schweden und die Schweiz blieben offiziell neutral, doch Schweden liefert weiterhin Erz an Deutschland, während die Schweiz finanzielle Mittel bereitstellte. Doch man benötigte weit mehr Waffen und Ausrüstung, als man selbst herstellten konnte. So kam es, dass sich am 10. März 1941 der deutsche Botschafter im Weißen Haus anmelden ließ. Winston Churchill war - nicht ohne Zufall - an diesem Tag ebenfalls anwesend. Was genau an diesem Tag im Oval Office besprochen worden ist, wurde nie bekannt. Angeblich jedoch hatte der deutsche Botschafter Präsident Roosevelt eine sowjetische Kopie des Vertrages Nr. 711.00111 vom Januar 1939 vorgelegt, der irgendwie einem in der Sowjetunion operierenden deutschen Agenten in die Hände gefallen war. Jedenfalls ließ der amerikanische Präsident ab dem 1. April 1941 alle Lieferungen an die Sowjetunion einstellen. Die Handelsschiffe fuhren stattdessen nach England und Frankreich, vorgeblich, um den beiden Ländern beim Wiederaufbau ihrer Streitkräfte zu helfen. Ein großer Teil dieser Ausrüstung wurde jedoch an die Länder des Europäischen Verteidigungsvertrags weitergeleitet. Mit Stalins Rede vom 5. Mai 1941 waren die Karten jedoch offengelegt: "Wir werden den Weltbrand entfachen!" Man brauchte nicht einmal Appelle, Manifeste und Beschlüsse; man brauchte einen Weltkrieg. Und Stalin hatte es meisterhaft verstanden, an sämtlichen Fäden zu ziehen, um eben dies vorzubereiten.

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